Samstag, 2. April 2011

Rezension (17) Das Schönste, was ich sah







Asta Scheib - Das Schönste, was ich sah
Taschenbusch
416 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
(1. März 2011)
ISBN-10: 3423212721 
ISBN-13: 978-3423212724

Vielen Dank an dtv 


Klappentext:
Als Giovanni Segantini sich 1875 mit siebzehn Jahren an der Akademie Brera einschreibt, hat er eine alptraumhafte Kindheit und Jugend hinter sich. Früh verwaist, lebt er erst bei der ungeliebten Halbschwester. Später landet er in einer Besserungsanstalt, wo ein Geistlicher sein zeichnerisches Talent entdeckt. Auf der Akademie freundet er sich mit Carlo Bugatti an, einem reichen Mailänder Bürgersohn, der schon einen Namen als Möbelbauer hat. Carlos schöne, verwöhnte Schwester Luigia verliebt sich in den scheuen Giovanni, der zum Erstaunen aller in der Akademie einen Preis nach dem anderen bekommt. Der Maler und das Mädchen werden ein Paar und bekommen vier Kinder. Es ist ein turbulentes Leben, aber Luigias Hingabe und Verständnis für Giovannis unkonventionelle Lebensweise und seine unerschütterliche Liebe zu ihr wappnen sie gegen alle Widrigkeiten.

Statement:
"Das Schönste, was ich sah" ist eine ans Herz gehende Biographie des Künstlers Giovanni Segantini. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, mit einer kränkelnden Mutter, einem Vater, der als Trinker die Familie im Stich lässt, wird nach dem Tod seiner Mutter zu einer Tante nach Mailand gebracht. Es ist ein trostloses Leben, was er vor sich hat. Keine Wärme, keine Geborgenheit fangen ihn hier auf. Das Glück, was er empfang, als der Vater ihm Mailand zeigt, in einer Bäckerei einen wunderbaren Kräuterfladen kauft, ihm der Vater die Geschichte des Landes und des Königshauses erzählt. Er, der Vater, der seiner Familie sonst keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt hatte, stets betrunken und kein Geld für die Familie hatte, hier war er ein anderer. Den wahren Grund für diese Freundlichkeit erfährt Giovanni, nachdem der Vater ihn bei seiner Halbschwester (aus der ersten Ehe seines Vaters) einfach zurückließ, ihn mit Wissen fast schwindelig redete, nur damit er keine Fragen stellte. So war es nur natürlich, dass er voller Wut und Schmerz war - seine Heimat, sein geliebtes Arco, er hatte es verlassen müssen, weil der Vater es so wollte.
Giovanni flieht aus dem Haus und landet in einer Besserungsanstalt. Doch was ihn hier erwartet, das hatte er sich so nicht vorgestellt. Er war eingesperrt, konnte sich nicht frei bewegen. Giovanni durchlebt körperliche aber auch seelische Gewalt. Doch er war ein Mensch, der an die frische Lust musste, seine Gegend sehen wollte. So beginnt er zu malen und sein Talent wird von einem Geistlichen erkannt. So wird er an der Akademie in Mailand angenommen. Schon bald erntete er die ersten Preise für sein außergewöhnliches Talent. Auf der Akademie begegnet er Carlo Bugatti und freundet sich mit ihm an. Giovanni bekommt Zutritt in das Haus des reichen Mailänder Bürgersohns und lernt dort Luigia Bugatti, die erst sechzehnjährige Schwester von Carlo kennen. Sie wird seine neue Muse, denn er malt sie immer und immer wieder. Und so entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen den beiden, die bis über den Tod hinaus besteht. Er verliebt sich in sie, und Luigia in ihn. Sie ist die Liebe seines Lebens. Entgegen aller damaligen Gepflogenheiten gestatten es Luigias Eltern, dass Giovanni ihr Lebensgefährte wird. Denn heiraten können sie nicht. Giovanni ist ohne Pass; er hatte den Wehrdienst verweigert und aufgrund dessen seine Staatszugehörigkeit verloren. Und staatenlos bleibt er sein ganzes Leben lang.
Aber das kann ihrer Liebe nichts antun, obwohl ihr weiteres Leben nicht sehr einfach ist. Luigia und Giovanni bekommen vier Kinder, doch auch ihr Leben ist von Geldsorgen und den ewigen Ortswechseln geprägt. Luigia ist Giovannis Halt, sie gibt ihm die Kraft für seine Malerei. Heute würde man sagen: eine starke Frau im Hintergrund. Doch liebten sie beide das Leben und sobald sie Geld zur Verfügung hatten, gaben sie es auch schon wieder aus.
Die Autorin Asta Scheib hat ein ausgesprochenes Fingerspitzengefühl beim Schreiben bewiesen. Es ist nicht nur eine Familiengeschichte, eine Biographie des Lebens der Familie Segantini-Bugatti, sondern auch ein Eintauchen in die Künstlerwelt. Durch ihre akribischen Recherchen ist es zu einem Gesamtpaket ohne Wenn und Aber geworden. Das macht "Das Schönste, was ich sah" zu dem was es geworden ist.

Fazit:
Das Cover mit dem See im Vordergrund und dem Bergmassiv, man könnte meinen, Giovanni Segantini steht direkt ganz vorn, sieht das Bild, welches sich vor seinen Augen auftut und malt. Es strahlt Ruhe und Kraft aus und genau das war es auch, was Luigia ihm immer wieder gegeben hat. "Das Schönste, was ich sah" ist ein Roman, der unter die Haut geht. Eine außergewöhnliche Liebe, ein außergewöhnlicher Künstler.

Ich vergebe 6/6 Bucheulen


Nachtrag:
Es war außerordentlich interessant, diesen excellenten Artikeln bei wikipedia zu lesen,
daher auch der Link.
http://de.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Segantini

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