Freitag, 20. Mai 2011

Rezension (38) Das Labyrinth der Wörter


Marie-Sabine Roger
„Das Labyrinth der Wörter“
oder auch Nachmittage mit Margueritte
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. April 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423212845
ISBN-13: 978-3423212847
Übersetzt von Claudia Kalscheuer
Kurzbeschreibung:
Germain ist vom Leben alles andere als verwöhnt. Seine Mutter zog ihn mit Kopfnüssen und harschen Worten groß, und in der Schule scheiterte er, weil die Lehrer ihn von vornherein für einen Dummkopf hielten. Mit Mitte vierzig und ohne festen Job haust er nun in einem alten Wohnwagen, schnitzt Holzfiguren, baut Gemüse an und trifft sich ab und zu mit Annette – doch ob es Liebe ist, kann er nicht sagen, denn die hat er noch nie erfahren. Bis er eines Tages im Park die zierliche Margueritte kennen lernt, die dort, genau wie er, die Tauben zählt. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, sind die beiden bald ein Herz und eine Seele. Die lebenskluge alte Dame ist zudem eine passionierte Leserin, und als sie dem ungeschliffenen Hünen vorzulesen beginnt, eröffnet sich Germain eine völlig neue Welt …
Statement:
Es war ein schöner Tag, ein Montag, mit strahlendem Sonnenschein, an dem Germain Margueritte kennen lernt. Der Tag im Park, als er wie immer dort die Tauben zählt, und Margueritte ebenso. Für sie beide ist es eine Beschäftigung, eine Ablenkung.
Die Nachmittage mit Margueritte oder auch „Das Labyrinth der Wörter“ geschrieben in der Ich-Form des Protagonisten Germanin, ist ein wahrer Schatz, ein Buch, dass das Herz berührt.
Germain und Margueritte, unterschiedlicher können Personen nicht sein und doch kommen sie sich so nah. Er, von großer Statur, grob wirkend, nicht der Schlaueste, dem das Leben schon von Kindheit übel mitgespielt hatte, vernachlässigt und immer wieder von seiner Mutter bestraft, so wuchs er auf und galt seit eh als ein Dummkopf.
Sie, Margueritte, die alte freundliche Dame, lebensklug, intelligent und kultiviert.
Sie öffnet ihm eine andere Welt, die Welt der Wörter, der Sprache.
Mit ihrem Schreibstil, der exzellenten Übersetzung, wird der Leser in einen Bann gezogen, dem man sich kaum entziehen kann.
Dieser Tag verändert Germains bis dahin trostlos, vor sich hinplätscherndes Leben, positiv. Und so erlebt man die Verwandlung, die menschliche Entwicklung des geistig nicht sehr hellen Germain. Marguerittes Gespräche lassen ihn wach und aufmerksam werden. Mit seiner liebevollen, aber doch so unbeholfenen Art muss man Germain einfach lieb haben. Und so baut sich zwischen den beiden Protagonisten eine einzigartige Verbindung auf.
„Die Großmutter und der Enkel“ – könnte man sagen.
Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Germain mit der Welt der Wörter vertraut zu machen, ihm die Scheu vor dem Lesen zu nehmen. Hintergrund dafür ist, dass Margueritte an einer unheilbaren Augenkrankheit leidet, ihre Sehkraft immer schlechter wird. Sie möchte, dass Germain ihr dann aus den Büchern vorliest.
Germain, der immer mehr in ihren gemeinsamen Gesprächen gelernt hat, sich in der Ausdrucksweise besser zu artikulieren, erkennt die Bedeutung der Wörter, die neuen Welten, die sich ihm öffnen. Sein Lieblingsbuch wird ein Lexikon der Synonyme. Er öffnet sich gegenüber Margueritte und erzählt ihr von seinem bisherigen Leben, seiner Bitterkeit. Seine Veränderung ändert auch die  Beziehung zu Annette, bei der er sich bislang nur die körperliche Befriedigung holte, und verwandelt sich in Liebe.
Fazit:
Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Die Autorin Marie-Sabine Roger lässt den Leser teilhaben an einer zauberhaften, menschlich zwar ungleichen Beziehung, aber anrührenden Geschichte. Mit ihrem wunderbar fließenden Schreibstil, poetisch und bildreich, hat sie einen einzigartigen Roman geschrieben, der uns doch einiges vermitteln möchte.
Gefühlvoll, lebendig und wundervoll, mit emotionaler Tiefe, genussvolle Literatur.
Es regt an zum Nachdenken, aber auch zum Lesen!
Wie heißt es so schön: „Lesen bildet!“ – Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.

„Wenn man zu sehr zeigt, dass man an etwas hängt, dann hindert das die Leute manchmal daran, es anzunehmen.
Die Art, wie man schenkt, ist mehr wert als das, was man schenkt.“
(S. 129)

Ich gebe dem Buch 6 Bucheulen

Vielen Dank an den dtv-Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Kommentare :

  1. danke für deine tolle Rezi, ich hab ja auch schon mit dem Buch geliebäugelt.

    LG Kerry

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  2. Hi Kerry, ich habe das Buch "genossen".... weiß jetzt nicht wie ich es beschreiben soll. Es tat mir gut, gab mir Mut... Und derzeit lese ich wirklich sehr sehr viel, es lenkt ab :-)
    LG HANNE

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