Donnerstag, 22. September 2011

Rezension (87) Kleiner Vogel, klopfendes Herz






Miriam Toews
Kleiner Vogel, klopfendes Herz

Berlin Verlag, Berlin 2011
288 Seiten
Gebundene Ausgabe
 € 22,00
Übersetzt von Christiane Buchner








Zur Autorin:
Miriam Toews studierte Geisteswissenschaften und lebte heute in Winnipeg und Toronto. Ihr Roman „Ein komplizierter Akt der Liebe“ Berlin Verlag 2005, war in Kanada ein Bestseller und wurde mit dem renommierten Gouvernor General’s Literary Award ausgezeichnet. Außerdem erschienen „Kleinstadtknatsch (Berlin Verlag 2007) und „Die fliegenden Trautmans“ (Berlin Verlag 2008). Sie wuchs in einer mennonitischen Familie auf und kehrt mit diesem Roman zu ihren Wurzeln zurück.

Statement:
Irma Voth ist eine junge Mennonitenfrau, die mit ihrer Familie in Mexiko lebt.
Die Mennoniten sind eine im 16. Jahrhundert entstandene Glaubensgemeinschaft aus Europa, die sich bis heute noch in Teilen der Welt wieder findet. Sie leben streng nach den alten Regeln des Glaubens, gut behütet und abgeschirmt von der Neuen Welt.
Die kanadische Schriftstellerin Miriam Toews entstammt einer kanadischen Mennonitenfamilie und wuchs in Manitoba, Kanada, auf. Manitoba ist ein großes Zentrum der Mennoniten und wahrscheinlich uns Europäern nicht unbekannt aus einigen Dokumentationen oder Serien von Auswandererfamilien.
Irma Voth ist mit Jorge verheiratet, einem Dealer. Sie wird von ihrer Familie verstoßen, als sie ihn heiratet, doch die Sicherheit, die sie sich von ihrem Mann erhofft, erhält sie nicht. Zu streng sind die Lebensumstände, die Regeln und Werte des Glaubens. Ihr Mann kommt und geht, wie er es für richtig hält, bis er letztendlich Irma verlässt und sie allein zurück lässt – ohne jeglichen Kontakt zur Welt nach draußen.
Und dann sind da noch die Erinnerungen an ihr früheres Leben in Kanada, an ihre ältere verstorbene Schwester. Der Vater verbietet sämtlichen Kontakt zu Irma, doch Mutter und die kleine rebellische Schwester suchen sie heimlich.
Als ein mexikanischer Regisseur beschließt, einen Film über die Mennoniten in Mexiko zu drehen, erhält Irma die Chance ihres Lebens. Sie arbeitet als Übersetzerin, zumal sie fließend die alte plattdeutsche Sprache der Mennoniten ins Englische und Spanisch übersetzen kann.
Die fröhliche Lebensart, die seit dem Einzug des Filmemachers auf dem Land der Mennoniten herrscht, steigert den Unmut der Gemeinde.
Doch Irma will so nicht weiterleben und nutzt die Gelegenheit, mit ihrer kleinen Schwester und dem Baby Xemina zu fliehen.
Eine außergewöhnliche Geschichte, die nachdenklich macht.
Flucht vor der Vergangenheit – Angst vor der Zukunft.
Die Charaktere sprechen für sich, nicht abgehoben, realistisch beschrieben. Der Schreibstil der Autorin ist klar und deutlich, doch lässt sich eine gewisse Hektik in der gesamten Handlung nicht verleugnen. Was die ganze Story begleitet, ist diese dumpfe Atmosphäre, deren Auslöser wohl die sehr strenggläubigen Mennoniten sind.
Ein fesselndes, anspruchsvolles Buch – nicht für Zwischendurch zum Lesen geeignet.
Eine Geschichte, die noch lange nachwirkt und Spuren im Herzen hinterlässt.

Dank an den Verlag Bloomsbury für dieses außergewöhnliche Buch.
Ich vergebe hierfür meine 6 Bucheulen.


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