Donnerstag, 16. August 2012

Rezension (187) Brombeersommer

Dörte Binkert
Taschenbuch
272 Seiten
Verlag: dtv
(1. Juli 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3423249133
€ 14,90


Verlagsinfo:
Deutschland in den frühen 50er Jahren. Die Menschen haben die Hoffnung auf neue Zeiten im Herzen, aber den Krieg noch im Kopf. Karl, Anfang 30, verweigert sich dem Vergessen und dem unbeschwerten Glauben an die Zukunft. In seiner Heimatstadt trifft er seinen Jugendfreund Theo wieder und auch die storchenbeinige Viola.
Theo studiert Jura, macht Karriere und heiratet Viola, die für das städtische Theater Kostüme näht und Billie Holiday hört. Eine ungewöhnliche Freundschaft zu dritt entsteht. Gemeinsam entdecken Viola, Theo und Karl das Leben neu, teilen, was sie haben, feiern übermütige Feste. Und Karl verliebt sich in die Frau seines besten Freundes ...
Buchanfang:
Karl stand auf und hob das Sektglas, während die Glocken im Radio das Jahr 1952 aus- und das Jahr 1953 einläuteten.
Theo rückte seine schwarze Fliege zurecht. Die Kristallgläser klangen. „Prosit Neujahr! Uns allen das Beste!“, rief er.
Sie lachten und tranken.
„Und eine neue Frau für Karl“, sagte Viola feierlich.
Statement:
Theo und Karl,  Freunde seit jungen Jahren, beide im Zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe im Einsatz gewesen, der eine in Italien, der andere in Rußland. Nach dem Krieg treffen sie sich wieder. Karl hatte im Osten eine Frau kennengelernt, und sich in sie verliebt. Edith zieht zu ihm, die beiden heiraten.
Viola, die Freundin von Theos Schwester, aber auch die Freundin beider Männer aus der Kinderzeit. Nach dem Krieg finden sich die Drei wieder zusammen und es dauert eine Zeit, bis Viola schließlich den Heiratsantrag von Theo annimmt. Nunmehr verbringen beide Ehepaare viel Zeit miteinander. Doch auf Dauer ist es für die intellektuelle Edith nichts in Hagen, es ist ihr zu öd und langweilig. Auch ihr Zusammenleben mit Karl gestaltet sich immer schwieriger, denn die Zeit des Krieges hat ihn für sein Leben geprägt. Schwerer und auch schrecklicher waren seine Kriegserlebnisse als die von Theo. Für Edith nicht nachzuvollziehen, dass seine Erinnerungen an Rußland und den Krieg ihn derart gefangen nehmen und seinen Freiraum einschränken. Er ist ein Träumer.
Die beiden leben sich auseinander, bis es zur endgültigen Trennung kommt. Theo und Viola sind es, die Karl vor dem Zusammenbruch bewahren.
Karl wird der Dritte in ihrer Ehe.
Einer für alle, alle für Einen.
Wie so oft im Leben geht manches seinen eigenen Weg. Viola, die schon seit der Schulzeit für Karl schwärmt, merkt eine Veränderung in der Dreier-Freundschafts-Beziehung.
Spoiler S. 247
So gingen sie Hand in Hand hintereinander her, und keiner wusste, was der andere dachte. Und sie waren alle drei damit einverstanden.

Die Autorin hat jede der Charaktere so detailliert und sympathisch beschrieben, dass der Leser sich jeweils in die Person hineinversetzen kann.
Denn eines haben die Drei nicht aufgegeben, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Als sich nunmehr Theo, Viola und Karl im Sommer zu einem Urlaub in Italien aufmachen, wissen sie nicht, dass sie vor einer enormen Bewährungsprobe stehen.
Spoiler S. 258
Was würde Viola dazu sagen? „Vor der Liebe kann man nicht davonlaufen, das bildet man sich nur ein“, hatte sie mal behauptet, „man weiß nur nicht, wie es ausgeht, wenn man sich auf sie einlässt.“

„Brombeersommer“ von der Autorin Dörthe Binkert, ein besonderes Buch, gebe ich meine absolute Leseempfehlung.
Wer hier einen ganz normalen Roman erwartet, sollte das Buch erst gar nicht in die Hand nehmen. „Brombeersommer“ ist weitaus mehr, mit einem ernsten Thema, dann aber wiederum wird die Bedeutung von Freundschaft aufgezeigt, der Liebe und den Zusammenhalt.
Wahre Freundschaft, wer sie kennt und erlebt, darf sich glücklich schätzen.
Spoiler S. 263
„Was ist wichtiger“, fragte Karl. „Die Freundschaft oder die Liebe?“
„Dumme Frage. Beides. Die Liebe“, antwortete Viola.

Persönlicher Nachtrag:
Ich bin ein Kind der 50er Jahre und „Brombeersommer“ hat an längst verstaubte Schubladen meiner Kindheit geklopft und sie Stückchenweise aufgezogen.
Man vergisst sehr viel und wird dann durch so ein Buch erinnert, wie z. B. an das Leben der Eltern nach dem Krieg und den Nachkriegsjahren oder auch die Krankheit, die mein Vater ebenfalls aus dem Krieg mitbrachte und letztendlich viel zu früh verstarb.
Erinnerungen können schmerzhaft sein,
Erinnerungen haben aber auch ihre guten Seiten,
Erinnern heißt aber auch nach vorne schauen.

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