Sonntag, 30. Dezember 2012

Rezension (243) Ein Flüstern in der Nacht






Moya Simons
Ein Flüstern in der Nacht
Originaltitel: Let me Whisper you My Story
Originalverlag: Harper Collins, AUS
Aus dem Englischen von Anne Braun
Gebundenes Buch
304 Seiten
ISBN: 978-3-570-15331-4
  12,99
Empfohlenes Lesealter lt. Verlag:
 ab 10 Jahre

Verlagsinfo:
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Verlagsinfo:
"Rachels Geschichte ist den jüdischen Kindern gewidmet, die keine eigene Stimme mehr haben."

Leipzig, 1943: Nur zwei persönliche Dinge kann die 10-jährige Rachel retten, als ihre Familie deportiert wird: den »längsten Schal der Welt«, den ihrer Mutter für sie gestrickt hat, und das Tagebuch ihrer Schwester. Rachel selbst kann von ihrem Vater gerade noch versteckt werden und seine letzten Worte bleiben ihr unvergesslich. »Denk daran, du rührst dich nicht, egal was du hörst. Du musst still sein wie ein Mäuschen.« Seitdem spricht Rachel nicht mehr. Kein Wort. Zu Niemandem.
Ein deutsches Ehepaar nimmt sie auf und mit ihrer Hilfe überlebt sie. Erst nach dem Krieg begreift Rachel, dass es keine Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrer Familie gibt. Doch dann geschieht ein Wunder – und Rachel findet nicht nur ihre Sprache wieder …

Statement:
„Denn Barmherzigkeit hat ein menschlich’ Herz

Und Mitgefühl ein menschlich’ Antlitz ...

Songs of Innocence, William Blake

… so steht es am Anfang des Buches „Ein Flüstern in der Nacht“ von der Autorin Moya Simons.
In ihrem Nachwort erklärt die Autorin, wie die Geschichte, einer Mischung aus Tatsachen und Fiktion, entstanden ist.
Zur Erinnerung an Anna Parnas, die Mutter von Eva Thassim, ein Kind, welches den schrecklichen Holocaust überlebte.
Wo war Gott gewesen, als das jüdische Volk umgebracht wurde? (S. 282)
Wo war er gewesen, um seine schützende Hand, seine Liebe über sie zu halten?
Diese Fragen und noch viele mehr sollten nicht /nie vergessen werden.
Moya Simons erzählt in „Ein Flüstern in der Nacht“ die Geschichte von Rachel und ihrer Familie. Rachel, ihre Kindheitsjahre, in denen sie behütet aufwuchs, in einer Familie, die nicht reich, aber auch nicht arm war. Sie bewohnten ein gut bürgerliches Haus im jüdischen Teil von Leipzig. Rachels Vater war Arzt.

Sie waren Juden.

Das Leben der Familie ändert sich ruckartig, als dass sie in das sogenannte Judenhaus umziehen müssen. Nicht nur sie, auch die Verwandtschaft findet sich dort wieder. Und so müssen sie nunmehr auf engstem Raum miteinander leben.
Wer sich in der Geschichte, dem Thema der Juden, dem Zweiten Weltkrieg, den Deportationen, beschäftigt hat, weiß um was es in „Ein Flüstern in der Nacht“ geht.
Moya Simons hat hier auf eine ganz besondere Art und Weise das Schicksal von Rachel mit der Thematik verbunden, diese extrem schlimme Zeit, die leider nicht aus der Geschichte gestrichen werden kann, und daraus ein bemerkenswertes Buch geschrieben.

Das Judenhaus, sicher die Vorstufe zum Abtransport in die Gaskammern. Als wieder einmal die Soldaten kommen, um Familien abzuholen, versteckt der Vater Rachel und verbietet ihr das Sprechen. Es bleibt ihr nicht viel von der Familie, nur Miris Tagebücher, und ein endlos langer Schal, den die Mutter gestrickt hatte, den „längsten Schal der Welt“.
Und die Worte ihres Vaters: (S. 98)

... „Rachel, mach dich ganz klein! Versteck dich im Schrank unter der Spüle. Und egal, was du hörst, ob Rufe oder Schreie – du darfst keinen Mucks von dir geben. Kein Wort, verstanden! Das ist ganz, ganz wichtig. Es geht um dein Leben. Du musst mucksmäuschenstill sein, verstanden?“

In vielen Passagen erging es mir so wie mit diesem Absatz. Die eindringlich gesprochenen Worte des Vaters an Rachel, sie schwebten durch den Raum, eine nicht sichtbare dunkle Wolke schwebte über mir und Erinnerungen aus Fernsehaufnahmen vom Kriegsgeschehen, der Lager nach dem Krieg, liefen wie ein Bilderkino vor meinen Augen ab.

„Ein Flüstern in der Nacht“, ein Kinder- bzw. Jugendbuch, welches man nicht vergisst. Allerdings kann ich der Altersempfehlung des Verlages ab zehn Jahren nicht so ganz zustimmen, es sei denn, die Thematik ist nicht gänzlich unbekannt. 

Ein Lesehighlight 2012 - TopTen 2012


 Vielen Dank an den Verlag für dieses Leseexemplar

Kommentare :

  1. Hi

    Wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr 2013. Es muss ein sehr interessantes Buch sein. Vielleicht leihe ichs mir mal irgendwann aus. Ciao Anni

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    1. Es ist wirklich ein gutes Buch - einmal von der Geschichte her und dem Geschichtshintergrund
      Ich wünsche dir ein wunderbares Lesejahr und auch sonst alles Gute
      LG Hanne

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