Sonntag, 11. Januar 2015

(Rezension) Über uns die Nacht ✍ Anat Talshir ✍


Anat Talshir
Über uns die Nacht
Taschenbuch
528 Seiten
Verlag: Diana Verlag (8. Dezember 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3453357778
Originaltitel: If I Forget Thee
€ 9,99

 
Weitere Ausgaben:
» eBook 

© Quelle/ Info Verlag


 
 
Ihre Hoffnung überwindet alle Grenzen
Die Jüdin Lila begegnet dem arabischen Teehändler Elias zum ersten Mal am Vorabend der israelischen Staatsgründung in Jerusalem. Es ist der Beginn einer tiefen Liebe, die geheim bleiben muss. Als Krieg ausbricht, wird die Stadt durch eine Mauer geteilt, die die beiden fortan unüberwindbar voneinander trennt. Neunzehn Jahre wird es dauern, bis es wieder Hoffnung für Lila und Elias gibt. Doch kann ihre Liebe den Hass der beiden verfeindeten Kulturen, die Jahre der Trennung und der Sehnsucht überstehen?
Meine Meinung:
“Über uns die Nacht” ist die Geschichte einer Liebe in Jerusalem, die ihren Beginn einen Abend vor der israelischen Staatsgründung findet. Lila und Elias, kann dies eine Zukunft haben? Niemand darf von ihrer Verbindung zueinander wissen, zu groß ist die Kluft zwischen den Völkern. Die auf zwei Zeitebenen erzählte Handlung spielt zum einen im Jahr 1947 und 2006.
Es gibt ja die Volksballade von den zwei Königskindern, die da beginnt:
”Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten beisammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief.”  (bei Lila und Elias waren es die Religionen)

Er, Elias, ein christlicher Araber mit Jahrhunderte alten, palästinensischen Wurzeln, sie, Lila, eine Jüdin.
Als in Jerusalem die Mauer errichtet wird, bedeutet dies zwangsläufig das Ende ihrer Liebe. Wie mögen sie sich gefühlt haben? Das können viele beantworten, die ein ähnliches Schicksal durch den Bau der Berliner Mauer erlebt haben.
Die Geschichte Israels, das Leben der Völker in Ost- und West-Jerusalem, und doch bis zum heutigen Tag können sie nicht in Frieden miteinander leben. Man erfährt sehr viel in dem Buch “Über uns die Nacht” zur Geschichte um den Staat Israel.
Jahr 2006:
Zitat S. 9: “Keiner von beiden sagte etwas. Was gab es seinen Worten noch hinzuzufügen? Sogar der Apparat, der seinen Herzschlag überwachte, hörte auf zu piepsen.”

Nomi sitzt am Krankenbett von Elias, der ihr seine Geschichte mit Lila erzählt. Zur damaligen Zeit fungierte Nomi als Briefbote zwischen den beiden. Erschütternd die Erkenntnis, als nach dem Sechs-Tage-Krieg – 19 Jahre nach dem Bau der Mauer, Lila Elias sucht und feststellen muss, dass er inzwischen verheiratet ist.
Die Liebe deines Lebens und doch keine Zukunft.
Die Protagonisten sind glaubhaft beschrieben, so dass man sich in die jeweilige Person gut hineinversetzen kann. Ebenso der Handlungsort, der durch seinen geschichtlichen Hintergrund eine maßgebliche Rolle spielt.

“Über uns die Nacht” gehört für mich jetzt schon zu den Top-Lesehighlights in diesem Jahr! Dass dies hier der Debütroman von Anat Talshir ist, merkt man keineswegs. Sie hat es mit ihrer Sprache, dem Schreibstil verstanden, den Leser in die damalige Zeit und den Konflikten zurückzuversetzen. Eine wunderbare, berührende Geschichte mit großartigen Figuren und geschichtlichem Hintergrund. Großes Kino!
Sechs Lesegenuss-Bücher - meine Höchstwertung!
 

Vita:
Anat Talshir wurde in Jerusalem geboren und wuchs dort auf. Sie ist eine angesehene Investigativ-Journalistin in Israel und wurde für ihre Arbeit u. a. mit dem renommierten Sokolov-Preis ausgezeichnet. Neben ihrer journalistischen Tätigkeit ist sie als Moderatorin tätig und unterrichtet Creative Writing. Heute lebt die Autorin in Tel Aviv.



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