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In den Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit. (Thomas Carlyle)

Samstag, 15. Dezember 2012

Rezension (238) Winterkorn - Die Lebenserinnerungen der Jule Andersen



Theodor Buhl – Jule Andersen
Winterkorn – Die Lebenserinnerungen der Jule Andersen
Gebundene Ausgabe
208 Seiten
Verlag: Kindler (21. September 2012)
(Rowohlt Verlag GmbH)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3463406374
€ 17,95

Herzlichen Dank an den Verlag für das Leseexemplar.



Verlagsinfo:


Jule Andersen war 72 Jahre alt, als ich sie kennenlernte. Für mich, den 45 Jahre Jüngeren, kam sie aus einer fremden Welt. Als fünftes von neun Kindern eines ungelernten Gelegenheitsarbeiters 1891 in Kiel geboren, entstammte sie der untersten sozialen Schicht, blieb – wie die meisten ihrer Geschwister – ohne jede Ausbildung und konnte niemals ein unabhängiges Leben führen. Das alles tat ihrem Selbstbewusstsein keinen Abbruch. Ihr waches Interesse für die Schicksale anderer Menschen und die politischen Tagesereignisse, ihre tiefsitzende Abneigung gegen die Männer, ihre vitale, bildhafte Sprache – eine Mischung aus Hochsprache und norddeutscher Mundart – und die Lust am Reden und Lachen bestimmten die Gespräche mit ihr. Das Material, aus dem ‹Winterkorn› entstanden ist, stammt überwiegend von Tonbandaufzeichnungen alltäglicher Lebenssituationen und manchmal auch aus Interviews – der ‹Klöterkasten›, wie Jule Andersen das Aufnahmegerät nannte, lief, ohne dass sie das im Geringsten störte, meistens mit, wenn ich in ihren letzten 12 Lebensjahren mit ihr zusammen war.» 

Persönliches Vorwort:
Über das persönliche Leben meiner Großeltern ist mir nur sehr wenig bekannt. Meine Großmutter väterlicherseits, geboren 1904, arbeitete als Dienstmagd, ihr Mann war Arbeiter und sie lebten auf dem Land.
Meine Großmutter Karoline, 1897 geboren, arbeitete als Hausangestellte, ihr Mann war Kutscher. Beide lebten in Berlin
Mir ist bekannt, dass meine Mutter an persönlichen Aufzeichnungen schreibt, zum einen über ihr Leben in Berlin, die erlebte Zeit während des Zweiten Weltkrieges, aber auch die Erinnerungen an ihre Eltern. Das läßt hoffen, aber bitte nicht zu schnell, denn Lesen darf ich diese erst nach ihrem Tod.
Insofern ist „Winterkorn“ auch eine persönliche Bereicherung.



Statement:
Theodor Buhl hat über zwölf Jahre Jule Andersen, am Anfang ihres gemeinsamen Weg 72 Jahre alt, begleitet und ihre Lebensgeschichte aufgezeichnet.
Jule Andersen, 1891 als fünftes von insgesamt neun Kindern geboren, ein Leben in der unteren Schicht.
Den Status einer Familie, so wie wir ihn heute kennen bzw. schätzen gelernt haben, kannte Jule nicht. Harte Arbeit, der Kampf um das tägliche Brot gehörte von klein auf zu ihrem Leben. Ihr Vater Heinrich, ein Möchte-gern-mehr-sein, kein Vorzeigevater. Ihre Mutter Elisabeth verstarb schon mit 54 Jahren.
Theodor Buhl begleitet Jule Andersen, zeichnet ihre Erinnerungen mit dem so genannten „Klöterkasten“, einem Aufzeichnungsgerät, auf.
Jule Andersen wuchs ohne Ausbildung auf und trotz allem ist sie ihren Weg gegangen. Sie kämpfte sich durchs Leben, schildert von ihren Stellungen, sei es in einer Bäckerei, oder auf einem Bauernhof. Diese beiden Beispiele habe ich nur so herausgepickt.
Man muss sich schon beim Lesen darauf einstellen, dass urplötzlich von der hochdeutschen Sprache ins „Platte“, norddeutsche Mundart, gewechselt wird. Plattdeutsch bzw. norddeutsche Mundart hören und verstehen, ist die eine Seite, lesen und verstehen manchmal nicht so ganz einfach.
Ihr gesamtes Leben verbrachte Jule Andersen in Schleswig-Holstein, genauer gesagt in und um Kiel.
„Mein Leben“, das Kapitel ist umfassend, informativ, aufschlussreich.
„Winterkorn – Die Lebenserinnerungen der Jule Andersen“, ein Lebensroman, der fast ein ganzes Jahrhundert umfasst. Ihre Schilderungen im Umgang mit der Familie, ihre Lebenseinstellung, ihre Kritik, das Leben erleben in zwei Kriegen, schon heftig.
Theodor Buhl, 45 Jahre jünger als Jule Andersen, hat die Schilderungen ihres Lebens in einem knapp 200 Seiten umfassenden Buch sehr gut dargestellt, wobei er – wie in seinem Nachwort zu lesen ist, die Aufzeichnungen letztendlich sehr umfangreich geworden waren. (S. 201)
„Winterkorn – Die Lebenserinnerungen der Jule Andersen“ ist in drei Teilen verfasst worden. „Mein Leben“ – „Ein Tag“  und „Eine Nacht“.
Eine persönliche, sehr offene, fast nackte geschilderte Lebensgeschichte einer Frau, die daran erinnert, wie die Welt sich in den vergangenen einhundert Jahren verändert hat.
Doch wie hat sich der Mensch verändert?
Unterschicht – Mittelschicht – Oberschicht? Klassendenken!




Donnerstag, 13. Dezember 2012

Meine tägliche Vorweihnachtslektüre ...

Heute möchte ich euch ein weiteres vorweihnachtliches Buch vorstellen.

"Weihnachten ganz wunderbar"
Ein literarischer Adventskalender"
mit Illustrationen von Silke Leffler


Ueberreuter




Das Buch beinhaltet 23 Weihnachtsgeschichten - und noch 3 für den Heiligen Abend.

Ein literarischer Adventskalender mit 26 verrückten, berührenden, witzigen, ungewöhnlichen, besinnlichen, spannenden Geschichten für jeden Tag der Weihnachtszeit.
Von Marjaleena Lembcke, Doris Meißner-Johannknecht, Andreas Schlüter, Karla Schneider, Evelyne Stein-Fischer, Jutta Treiber, Barbara Veit, Renate Welsh u. v. a.
Und mit zahlreichen Illustrationen von Silke Leffler, die den ganzen Zauber dieser Wochen vor dem Heiligen Abend einfangen.

Damit das Warten ein bisschen leichter fällt...

Obwohl ich das Buch schon einige Jahre besitze, ist es eine Freude, jeden Tag eine Geschichte zu lesen. Ja FRAU ist auch da noch KIND ...

In diesem Sinne - vielleicht konnte ich euch mit diesem Buchtipp etwas Neues zeigen.

Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension (237) Das Haus der vergessenen Träume

Katherine  Webb - Das Haus der vergessenen Träume

Quelle: Verlag


Katherine Webb
Das Haus der vergessenen Träume
Taschenbuch
528 Seiten
Verlag: Diana Verlag
(16. Oktober 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3453357150
Originaltitel: The Unseen
€ 9,99



 Herzlichen Dank an den Verlag  für das Leseexemplar.
Aktuelles Cover zum Zeitpunkt der Rezension

Buchrückentext:
Eine verratene Liebe, eine schicksalhafte Entscheidung
Als die Journalistin Leah Hickson auf zwei alte Briefe stößt, kommt sie einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur, das hundert Jahre hinter den Mauern eines englischen Landhauses verborgen lag. Bei ihren Recherchen erfährt sie von dem bewegenden Schicksal einer jungen Frau und entdeckt Hinweise auf einen schrecklichen Verrat. Immer tiefer gerät Leah in den Sog der Vergangenheit – bis sie eine Entscheidung treffen muss, die ihr eigenes Leben von Grund auf verändert.


Statement:
Leah Hickson wird von ihrem Exfreund Ryan nach Belgien gerufen. Im Rahmen der Arbeit bei der Kriegsgräberfürsorge hat man das Skelett eines Mannes geborgen. Für die Britische Kriegsgräberfürsorge nicht immer leicht, die Toten zu identifizieren. Hier aber lag mehr vor. Das war der Grund, warum Ryan Leah informierte. Leah Hickson ist Journalistin und Ryan vermutete, dass hier eine gute Story bei dem Namenlosen drin sein könnte. Man hatte nämlich bei dem Toten Briefe gefunden, die fast ein knappes Jahrhundert unbeschadet bei ihm gelegen hatten.
Denn diese Briefe waren keine ganz normalen Briefe, dahinter verbarg sich mehr.  Leahs Interesse ist geweckt und sie begibt sich nun auf die Suche und der Lösung des Geheimnisses. Was hatte es mit den Briefen auf sich?
Ansatzpunkt ist der kleine Ort Cold Ash Holt, dort lebte die Absenderin der Briefe und dort beginnt auch die Geschichte.
„Das Haus der vergessenen Träume“ ist in zwei Zeitebenen geschrieben. Die Vergangenheit spielt im Jahre 1911 und die Gegenwart in 2011.

Auf Leah und ihre Beziehung zu Ryan näher einzugehen, erspare ich mir. Vordergründig war für mich das Geheimnis um diese beiden Briefe. Als ich dann noch nach etlichen Seiten feststellte, dass wieder einmal die damalige Frauenbewegung in England, die Zeit der Sufragetten, Grund für den weiteren Lebensweg einer der Charaktere war, hatte mich das Buch gepackt. Äußerst spannend und sehr bewegend hat die Autorin die Charaktere Cat beschrieben, ihr Leben, ihre Gefühle, die Zeit und die Lebensumstände im Gefängnis.
Schließlich wird sie nach dem Gefängnisaufenthalt in das Pastorenhaus von Mr. und Mrs. Canning in das kleine Dort Ash Holt geschickt. Dieses liegt gut drei Kilometer von Thatcham entfernt. Bei ihrer Ankunft wird Cat von Mrs. Bell am Bahnhof abgeholt.
Das Ehepaar Canning, zwei Charaktere – wie Tag und Nacht – deren Ehe sehr merkwürdig herüberkommt. Mr. Canning interessierte sich nicht besonders für seine Frau. Sicher, er war/tat sehr fürsorglich, aber sowie es um die körperliche Nähe und den weiteren Fortlauf, ging er auf Distanz. Seine Frau wünschte sich so sehr Kinder. Schon mehrfach hatte sie ihre ältere Schwester um Rat gebeten und ihr die körperliche Ablehnung von Albert geschildert. Nun ja, Mr. Canning hatte anderes im Kopf. Er war fasziniert von dem Meister Theosoph „Robin“ und interessierte sich nur noch für die Theosophie.
Robert Durrant, ein intelligenter junger Mann, ein Redner, der sich in theosophischen Kreisen schon seinen Namen gemacht hatte, Albert Canning ist von ihm total begeistert.
Naturgeister, Weisheitsreligion und anderes, es war schon faszinierend davon zu lesen.
Dieser Mr. Durrant kommt nun in das Pfarrhaus und nichts wird mehr so sein wie es vorher war.
Man meint, dass dies nun im Vordergrund der Handlung steht. Doch hier geht es um das Gesamtpaket: Auf der einen Seite das Pastorenehepaar Canning, das Dienstmädchen Cat, der Redner Durrant und dann ist da noch Georg, in den sich Cat verliebt hat.

Das Buch fasziniert und ist spannend geschrieben. Daher werde ich auf den weiteren Inhalt nicht eingehen.

In der heutigen modernen Zeit, wo man davon ausgehen kann(sollte), hat die Frau ihren Platz in der Gesellschaft eingenommen. Rückblickend auf die vergangenen einhundert Jahre waren es doch zum größten Teil die Frauen, die unermüdlich arbeiteten, die die Städte nach dem Krieg wieder aufbauten – es heißt ja nicht umsonst „Die Trümmerfrauen“, nebenbei noch ihre Kinder großzogen, doch welche Rechte hatten sie vor einhundert Jahren?

Dass der Widerstand gegen all das Unrecht öffentlich angeprangert wurde, die Frauen für ihre Rechte kämpfen mußten, liest sich in einer anderen Geschichte.

Um auf „Das Haus der vergessenen Träume“ zurückzukommen, kann ich nur abschließend schreiben: Es erhält meine Leseempfehlung