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In den Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit. (Thomas Carlyle)

Sonntag, 7. Februar 2021

Die Rebellin ~ Thérèse Lambert

„Glaubt mir, die Welt wird euch nichts schenken. Wenn ihr ein Leben wollt, so stehlt es.“
Lou Andreas-Salomé.

München, 1897: Die faszinierende, intellektuell brillante Lou gilt als eine der klügsten Frauen ihrer Zeit und zieht Männer wie Paul Rée und Nietzsche in ihren Bann. Doch als Liebende behält sie stets ihr Herz für sich – bis sie dem jungen Rilke begegnet und mit ihm eine leidenschaftliche Amour fou erlebt. Aber dann Rilke wird immer labiler, und er engt sie zunehmend ein – muss Lou sich von ihm abwenden, um frei zu bleiben?


Ein packender, hervorragend recherchierter Roman über die große, tragische Liebe zwischen Lou Andreas-Salomé und Rainer Maria Rilke

Thérèse Lambert - Die Rebellin
Herausgeber : Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (18. Januar 2021)
Taschenbuch : 416 Seiten
ISBN-13 : 978-3746637167
€ 12,99 || Gelesen 02/2021

Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Mein Leseeindruck
Anfang November 1886: Die knapp 26-jährige Lou von Salomè erhält einen Heiratsantrag von Friedrich Carl Andreas. Der über vierzigjährige ist ein Gelehrter mit Doktorwürde. Sie stimmte der Ehe zu unter gewissen Bedingungen. So wurde die Ehe nie vollzogen, wie es halt so üblich war. Und würde wohl auch nicht.
Zehn Jahre später setzt sich die Handlung fort in München. Derzeit weilt Lou mit ihrem Hund Lotte sowie ihrer Freundin Frieda dort. In der Zwischenzeit hat sie auch einen Liebhaber, den Medizinalrat aus Wien. Doch ihre Freiheit bedeutet Lou sehr viel. So kommt auch eine Scheidung von Carl nicht für sie in Betracht.
Zitat
Ich bin Erinnerungen
treu für immer,
Menschen werde ich es niemals sein.

Lou Andreas-Salomè


Dort in München sind es halt die Umstände, der Umgang in den Künstlerkreisen, dass sich der junge Dichter Rilke und die ältere Lou treffen. Wie sich im Laufe der Zeit feststellen lässt, sind es zwei Seelenverwandte, die sich für eine Zeit gesucht und gefunden hatten.
Hauptsächlich spielt die Handlung in den Jahren mit Rilke ab. Es sind unruhige Jahre, die für Lou das Alleinsein fast unmöglich machen. Der Riß zwischen ihnen wurde während der gemeinsamen Rußlandreise vollzogen. Sie wollte endlich wieder schreiben. Mehr denn je überkam sie die Erkenntnis, dass er, der junge Dichter, sie die ältere Schriftstellerin, ihn mit seinem drohenden Wahnsinn nicht retten konnte. Sie wollte wieder ganz sich selbst sein.
Die geschilderten Jahre mit Rilke werden immer wieder mit Blick in die Vergangenheit von Lou unterbrochen. So erfährt man einiges über ihr vergangenes Leben. So ist die Geschichte zwischen Lou und Rilke  auf Lebensjahre gesehen kurz. Und dennoch spürt man die Verbindung zwischen ihnen. Mir war im Prinzip nur der Name Rilke ein Begriff, nicht so der von Lou von Salomè. Sie ist eine für die damalige Zeit moderne Frau. Man bekommt einen Blick und auch tiefes Verständnis, spannend und hochinteressant, dass alles kennen lernen zu dürfen.
"Die Rebellin" ist nunmehr der vierte Band der Reihe im Aufbau Verlag "Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe". Zum Ende gibt es noch ein sehr aufschlussreiches Nachwort der Autorin.
So habe ich mit diesem Roman wieder mal einiges Neues gelernt. Es hat zwar - meiner Meinung nach - an einigen Stellen etwas "geruckelt" was meinen Lesefluss ein bisserl gebremst hat, aber ansonsten hat mir der Roman gut gefallen.
Wirklich gut recherchiert - meine Leseempfehlung.

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Hinter Thérèse Lambert verbirgt sich die Autorin Ursula Hahnenberg, die in München aufgewachsen ist und mit ihrer Familie in Berlin lebt. Als Schwester von vier Brüdern und spätere Studentin der Forstwissenschaft hat sie früh gelernt, unter Männern ihre Frau zu stehen. Nicht zuletzt deshalb gilt auch beim Schreiben ihre besondere Leidenschaft starken Frauen wie Lou Andreas-Salomé.

Herzlichen Dank den Verlag für das  Rezensionsexemplars
Rechte: Cover / Info  - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  Verlag

Aus Liebe zu sich selbst

Montag, 1. Februar 2021

Helenes Versprechen ~ Beate Rösler

 


Um ihren Sohn zu retten, muss sie sich von ihm trennen

New York, 1947: Die in die USA emigrierte Kinderärztin Helene Bornstein sieht nach beinahe zehn Jahren ihren Sohn Moritz wieder. Damals hatte sie ihn mit einem Kindertransport aus Frankfurt fortgeschickt. Jetzt ist Moritz seiner Mutter fremd geworden, aber ihr Versprechen hat er nie vergessen. Gelingt es den beiden, wieder zueinander zu finden? Und wird Helene Fuß in New York fassen, obwohl sie die Kinder, die ihr während des Krieges anvertraut worden waren, nicht vergessen kann? Da trifft sie eines Tages Leon, ihre erste Liebe, wieder.

Ein bewegender Roman – inspiriert von der wahren Geschichte einer jüdischen Kinderärztin

Beate Rösler
Helenes Versprechen
Herausgeber : Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (18. Januar 2021)
Sprache : Deutsch
Taschenbuch : 576 Seiten
ISBN-13 : 978-3746634968
€ 12,99 // Gelesen 01/2021


Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Mein Leseeindruck
Die Autorin Beate Rösler ließ sich zu ihrem Roman "Helenes Versprechen" von der wahren Geschichte einer jüdischen Kinderärztin inspirieren. Die Geschichte der Helene Bornstein beginnt hier im Jahre 1947 mit der Überfahrt nach New York. Dort wird sie endlich ihren Sohn Moritz nach über neun Jahren endlich wieder in die Arme schließen und ebenso ihre Schwester Marlies. Diese war verheiratet mit John. Sie hatten sich in England kennengelernt. So wuchs Moritz nunmehr hier auf. Inzwischen gab es noch Familienzuwachs, Baby Samantha. Nur schwer lebte sich Helene ein. Enttäuschend für sie, dass Moritz ihr gegenüber fremdelt. Wie konnte er auch ahnen, was genau sich damals abgespielt hatte. Auch dass das Deutsche so arg in den Hintergrund geraten war, für Helene ein Schock. So kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Nur gut, dass Helene auf dem Schiff Marek, die gute Seele aller, kennengelernt hat. Denn Moritz war für Helene der Halt gewesen, nachdem sie ihn mit einem Kindertransport von Frankfurt aus nach England in Sicherheit hat bringen können.
Um acht beim Mond!, das hatte sie ihm in das Tagebuch geschrieben.
Zitat S. 556 Es war das Versprechen gewesen, jeden Tag an Moritz zu denken und dabei die Hoffnung auf ein Wiedersehen niemals aufzugeben.
Nicht nur der Krieg, auch die Zeit davor hatten Helene fast zerbrochen. Wenn da nicht Moritz wäre. Helenes Vater war in Frankfurt Kinderarzt. Die Bornsteins waren eine jüdische Familie, was nicht nur vor dem Krieg ein einschneidendes Erlebnis für Helene wird.
In wechselnden Kapiteln zwischen der Gegenwart in New York und der Vergangenheit Beginn 1923 liest sich der Roman. Sehr ausführlich und bildhaft vorstellbar wird hier auf die vergangene Zeitgeschichte eingeganggen. Wie schlimm das damalige Regime die Judenverfolgung betrieb, welchen Repressalien sie ausgesetzt waren, und dennoch gab es dann auch Lichtblicke einzelner. Wie hier Helene.
Der Großteil der Handlung bezieht sich auf die von ab 1923.
Dass Helene einen schwierigen Start in New York hat, immer noch traumatisiert von den Kriegserlebnissen als auch davor, Moritz nicht mit fliegenden Armen auf sie zugeht, all diesen ganzen Handlungssträngen die richtigen Worte zu geben, ist der Autorin gut gelungen.
Einen ausführlicheren Blick in die Handlung lasse ich offen. Fakt ist, dass die Vergangenheit gut zwei Drittel der Handlung einnimmt. Es hilft zu verstehen.
"Helenes Versprechen" ist erneut ein historischer Roman #gegendasvergessen und von daher meinerseits klare Leseempfehlung.


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Herzlichen Dank den Verlag für das  Rezensionsexemplars
Rechte: Cover / Info  - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  Verlag


Ein Versprechen. Eine Hoffnung.

Sonntag, 17. Januar 2021

Die Eisbaronin - Durch Sturm und Feuer ❄️ Nicole C. Vosseler

 

Glück und Erfolg sind so vergänglich wie Eis

Hamburg 1835. Mit dem Export von Eis sind Katya und die anderen Eisbarone zu Vermögen gelangt. Das Geschäft floriert, doch in Katyas Ehe kriselt es, und ihr Kinderwunsch ist unerfüllt geblieben. Im Hamburger Gängeviertel trifft sie eines Tages auf die kleine Betje, die sie sofort in ihren Bann zieht – nicht nur wegen ihres brandroten Haars. Das Mädchen ist erstaunlich geschäftstüchtig und stellt sich beim Betteln und Feilschen deutlich geschickter an als die anderen Kinder. Katya beschließt, Betje bei sich aufzunehmen und ihr vielleicht sogar eines Tages das Geschäft zu überlassen. Doch Habgier und Eifersucht drohen alles zu zerstören …

Eine Hamburger Handelsdynastie in stürmischen Zeiten –
die fesselnde Fortsetzung der »Eisbaronin«
© Verlag

Nicole C. Vosseler
Die Eisbaronin - Durch Sturm und Feuer
- Die Eisbaronin-Saga
 Herausgeber : Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (16. November 2020)
Taschenbuch : 512 Seiten
ISBN-13 : 978-3442489312
€ 10,00 / Gelesen 12/2020

❄️❄️❄️
Wir irren uns, wenn wir bei Schnee und Eis an Einsamkeit denken.
Wie magnetisch ziehen Eiskristalle einander an. Unwiderstehlich ist das Verlangen, einander in der Stille des Himmels zu umwerben, bis eine Schneeflocke geboren wird.
Der Weg durch die Wolken prägt das Muster einer jeden Flocke. Sie alle sind einzigartig, komplexe Solitäre. Mit ausgestreckten Armen taumeln und trudeln sie aufeinander zu, fangen sich auf und finden Halt im freien Fall.
© Verlag

Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Mein Leseeindruck

 Nicole C. Vosseler hat mit "Durch Sturm und Feuer", dem zweiten Band zur Trilogie "Die Eisbaronin" eine sehr ansprechende und anrührende Fortsetzung geschrieben, der den Leser von der ersten Seite an zu fesseln weiß.
Über den Anfang war ich anfänglich überrascht, aber positiv!
Es beginnt in Ostfriesland 1835 mit dem jungen Mädchen Betje. Sie leidet unter den Spottrufen der anderen Kinder. "Krüppeltrine" war nur eins davon. Betje hatte eine verwachsene Schulter sowie einen lahmen linken Arm. Bei Tante und Onkel lebte sie. Dort war sie so etwas wie das Aschenputtel aus dem Märchen. Ihre Eltern und Geschwister waren in Amerika - ohne sie. Zu der damaligen Zeit und den gegebenen Umständen ging Betje nicht zur Schule. Aber das war für sie kein Hindernis, Rechnen hatte sie sich selbst beigebracht und war unheimlich schlau. Dann begegnet sie dem fliegenden Händler Joost und geht mit ihm fort. Sie will nach Amerika. Anfangs kümmert Joost sich um sie. Doch dann passiert etwas, dass sie vor ihm flieht. Fremde Gegend, nichts zu essen. Und dennoch, sie gibt die Hoffnung nicht auf. Da trifft sie auf den dreizehnjährigen Jungen Hanno Reintjes. Nach anfänglichem Zögern geht sie mit ihm nach Hamburg. Und von da aus fahren Schiffe nach Amerika, das weiß Betje.
Zitat S. 51
"Ich weiß nicht, was du alles durchgemacht hast", flüsterte Hannes. "Aber von mir hast du nichts zu befürchten. Ich bin ein feiner Kerl. Und ich pass auch gut auf dich auf."
Hanno will in Hamburg seine Schwester suchen, die vor zwei Jahren in die Stadt gegangen ist. Hanno und Betje treffen dort in Hamburg auf Pawel und seinen Hund. Bei ihm kommen sie erst einmal unter.
Die ersten sechs Kapitel erzählen den Weg von Betje nach Hamburg. Dass das Leben der vier Eisbarone nicht stehen geblieben ist, wird in der weiteren Handlung von der Autorin sehr gekonnt, spannend, bildgewalting erzählt. Es ist sehr abwechslungsreich, der Blick in die einzelnen Famlien und Charaktere. Nach und nach fügen sich die einzelnen Teile zusammen. Man fühlt mit den einzelnen Protagonisten. Thilo, Katyas Mann, trägt eine schwere Last mit sich. Niemand darf davon erfahren. Die Story um ihn herum ist wirklich sehr gut erzählt. Auch wenn bei beiden Familien, Thilo und Christian nicht alles in Ordnung ist, es sind die einzelnen Ereignisse, die alles sehr realitätsnah erscheinen lassen.
Wie schon im ersten Band spielt das Eis mit eine große Rolle. Es sind die bildhaften Beschreibungen der Handlungsorte, dass einem sofort Bilder vor dem inneren Auge entstehen.
"Durch Sturm und Feuer" ist der zweite Band zur Trilogie "Die Eisbaronin". Es spricht nichts dagegen, die einzelnen Teile zu lesen. Im Folgeband wird immer wieder in kurzen Rückblenden Bezug auf den ersten Band genommen. Der Erzählstil der Autorin ist sehr ansprechend.
Für mich eine sehr guter Mittelband der Trilogie. Im Herbst 2021 folgt (leider) dann der Abschluss "Zu neuen Ufern". Mal schauen, wie es dann mit Betje und Hanno weitergeht, aber auch mit den anderen Charakteren. Meine absolute Leseempfehlung für diesen tollen Roman.
📖 📖 📖 📖 📖 Lesegenuss Bücher


Rechte: Cover / Info  - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  Verlag


Eisblink
Hamburg, 1842
Eisblink, deutsch; iceblink, englisch; ledjanoi otblesk, russisch.
Ein weißes Licht am Horizont, besonders unterhalb tiefer Wolken. Dieser Widerschein des Polareises kann eine Hilfe sein, sicher durch unbekannte Gewässer zu navigieren.

(Zitat)

In diesen Zeiten navigieren auch wir durch unbekanntes Gewässer, aber es scheint ein helles Licht am Himmel: Hoffnung.


Eine spannend-romantische Fortsetzung der Eisbaronin-Saga
Sehr gute Fortsetzung großartige Unterhaltung mit Spannung