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In den Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit. (Thomas Carlyle)

Montag, 12. Dezember 2022

Die Bücher, der Junge und die Nacht ~ Kai Meyer

 


Ein Bücherdieb, ein Junge ohne Erinnerung und die Magie des Lesens:

Dichter Nebel wogt durch die Gassen der Bücherstadt Leipzig, 1933, als das Böse die Macht ergreift. Hier entspinnt sich die tragische Liebe des Buchbinders Jakob Steinfeld zu einer rätselhaften jungen Frau. Juli hat ein Buch geschrieben, das sie einzig ihm anvertrauen will. Doch bald darauf verschwindet sie spurlos.

Fast vierzig Jahre später ist auch Jakobs Sohn Robert den Büchern verfallen und reist auf der Suche nach seltenen Ausgaben durch ganz Europa. Er liebt seine Arbeit und die Bücher – von Menschen hält er sich meist eher fern. Doch als die Bibliothekarin Marie ihn bittet, ihr bei einem Auftrag der geheimnisumwitterten Verlegerfamilie Pallandt zu helfen, stoßen sie auf das Mysterium eines Buches, dessen Geschichte eng mit Roberts eigener verknüpft ist – es ist der Schlüssel zum Schicksal seiner Eltern.


Kai Meyers großer zeitgeschichtlicher Roman über die Geheimnisse der Bücher und eine schicksalhafte Liebe
Bestseller-Autor Kai Meyer hat eine wunderschöne Liebeserklärung an die Welt der Bücher geschrieben, die zugleich ein berührender historischer Roman und ein hochspannendes Stück Zeitgeschichte vom Zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre ist.

Kai Meyer  - Die Bücher, der Junge und die Nacht
Herausgeber: ‎Knaur HC; 1. Edition (2. November 2022)
Gebundene Ausgabe: ‎ 496 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3426227848
€ 22,00 / Gelesen 11-2022

M̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅ ̲̲̅̅L̲̲̅̅e̲̲̅̅s̲̲̅̅e̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅d̲̲̅̅r̲̲̅̅u̲̲̅̅c̲̲̅̅k̲̲̅̅]

1943 in Leipzig. Der zehnjährige Junge lebte fast sein ganzes Leben in einem Raum - mit Büchern - mit wenig Kontakt zu Menschen. Nur die, die ihn versorgten. Ein Raum voller Bücher. In dieser Nacht fallen die Bomben, erschüttern die Stadt, die Mauern und machen ihm den Weg frei aus dem Kerker. Den Gang rüber hatte er noch in Erinnerung. Doch die Villa, in die er sich retten wollte, brannte lichterloh. Das ganze Graphische Viertel brannte. Leipzig brannte. Da wurde er von einem Maskenmann gepackt. Seine Rettung?
Dieser drückt ihm eine Gasmaske auf und zerrt ihn zu der ziemlich zerstörten Bibliothek der Villa. Alles war eingestürzt. Durch einen Spalt in einer Mauer sollte der Junge durch und nur ein bestimmtes Buch holen. "Das Alphabet des Schlafs." Für den Mann war es ein sehr kostbares, wichtiges Buch.
In 1971 setzt sich die Geschichte fort. Der erwachsene Junge war mit Marie zum Barockschloß der Familie Pallandt in der Nähe von München. Die einunddreißigjährige Marie Ludwig war von dem Erben des Verstorbenen eingestellt, um die vorhandene Bibliothek aufzulösen, zu verkaufen. Das war keine normale Bibliothek, es war die eines Sammlers, keines Lesers. Dort hatte sie etwas ganz besonderes entdeckt. Damit meinte sie nicht die Mumie im offenen Sarkophag, die dort stand. Obwohl, ungewöhnlich war das schon. Was es damit auf sich hat, erfährt der Leser so ziemlich am Ende. Sie gehört zur Geschichte. Doch wie gesagt, das war es nicht. Marie hatte in einem Glasschrank ganz besondere Bücher gefunden. Wertvoll gebunden, Handarbeit. Und es waren alles Steinfelds. Bücher aus der Buchbinderwerkstadt von Robert Steinfelds Vorfahren. Robert, der Junge aus dem Krieg. Seinen Vater Jakob Steinfeld hatte er nie kennengelernt. Robert wußte, dass das Verlagshaus der Pallandts direkt neben der Werkstatt seines Vaters gestanden hatte. Doch bei dem Luftangriff auf Leipzig wurde alles zerstört. Also 1943.
Doch wie konnte es angehen, dass etliche der Bücher eine neuere Steinfeld Prägung hatten?
So begeben sich beide auf Spurensuche, Roberts Geschichte, seine Wurzeln, aufzudecken.
Es ist nicht nur die Handlung, die mich als Leser direkt in die Geschichte hinein katapultiert hat. Es ist u.a. das Rätsel um das anfangs erwähnte Buch. Was hatte es damit auf sich?
Die gesamte Handlung ist in drei Zeitebenen aufgeteilt. 1933, als die Nationalsozialisten mehr und mehr die Macht ergreifen. 1943, als der Junge aus seinem "Kerker" kommt und wie es dann mit ihm weiter geht. Wer war dieser Maskenmann? 1971, als Robert zusammen mit Marie in die Vergangenheit reist.

Mit diesem Roman hat der Autor einen großartigen, sehr spannenden Roman geschrieben. Es ist egal, an welchen Ort die Handlung gerade spielt. Man hat direkt Bilder vor den Augen. Sehr interessant fand ich den Aufenthalt im Graphischen Viertel.
Ich möchte aber nicht mehr spoilern. Das Buch sollte man lesen. Es ist eine spannende, hochinteressante Geschichte. Seid neugierig!

Meine Leseempfehlung!

Herzlichen Dank an den Verlag  für das Rezensionsexemplar
Rechte: Cover / Info   - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  Verlag



Eine großartige Zeitgeschichte blendend erzählt - sehr lesenswert

Donnerstag, 8. Dezember 2022

Die Töchter der Ärztin - Zeit der Sehnsucht ~ Helene Sommerfeld

 


Zwei Schwestern,
die Medizin und
ein großes Abenteuer

Henny und Antonia sind die Töchter der berühmten Ärztin Ricarda Thomasius. Sie verbindet die Liebe zur Medizin. Während Henny sich in Berlin eine Praxis für Onkologie aufbaut, kehrt die jüngere Toni an den Ort ihrer Kindheit zurück, Ostafrika.


Helene Sommerfeld
Die Töchter der Ärztin -
Zeit der Sehnsucht
Die Thomasius-Schwestern, Band 1
Herausgeber: ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 3. Edition (16. November 2022)
Taschenbuch: ‎ 512 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3423220262
€ 12,95  / Gelesen 11-2022


M̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅ ̲̲̅̅L̲̲̅̅e̲̲̅̅s̲̲̅̅e̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅d̲̲̅̅r̲̲̅̅u̲̲̅̅c̲̲̅̅k̲̲̅̅]

Mit "Die Töchter der Ärztin - Zeit der Sehnsucht" knüpft das Autorenduo Helene Sommerfeld an die Reihe um die Ärztin Ricarda Thomasius an. Die Trilogie habe ich sehr gern gelesen, spannend und interessant. So erging es mir ebenso auch mit der Reihe um die Polizeiärztin Magda Fuchs, ebenfalls von dem Autorenduo.
In dem vorliegenden Buch geht es um Ricarda Thomasius Töchter Henny und Antonia, genannt Toni.
Es beginnt im Jahr 1927. Die gesamte Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von gut zwei Jahre. Handlungsorte sind Berlin, Ostafrika als auch Freystetten. Wer die Reihe um die Ärztin Ricarda gelesen hat, wird sicherlich einige Erinnerungen in dem Buch wieder finden. Wer diese noch nicht kennt, vielleicht ist er jetzt auf den Geschmack gekommen. Lesen!
Henny hat sich in Berlin mit einer Praxis für Onkologie selbständig gemacht. Am heutigen Tag soll nun endlich das Röntgengerät geliefert werden. Und sie wartet auf Toni. Henny wünscht sich, dass diese bei ihr in der Praxis mit einsteigt. Auch Mutter Ricarda war weiterhin in ihrem Beruf tätig, hatte sie doch vor längerer Zeit die Praxis der damaligen Polizeiärztin Magda Mehring/Fuchs übernommen. Doch Toni hatte ihren eigenen Kopf. Ihr Vater Siegfried verstand sie nur zu gut. Toni wollte in die weite Welt, nach Afrika. Dort wo sie als Kind einige Jahre verbracht hatte. Sie wollte über ihr eigenes Leben bestimmen und so war es für sie beschlossene Sache. Sie würde in dem Krankenhaus arbeiten, welches ihr Vater damals geleitet hatte. Nur waren dort jetzt nicht mehr die Deutschen, sondern die Kolonie gehörte zu England.
Ergänzend zu Henny sei gesagt, dass sie eine neun Jahre alte Tochter hat. Victoria, genannt Vicky. Aus der Ehe mit Victor, mit dem sie damals nach Amerika ging. Doch die Ehe hielt leider nicht. Unerwartet erfährt Henny, dass Victor wieder in Berlin ist. Sehr zur Freude von Vicky, doch was war mit Henny?
Für Toni wird die Zeit in Afrika unvergessen bleiben. Mit ihrer Hilfsbereitschaft überschreitet sie Kompetenzen, die schon auf der Überfahrt auf dem Schiff beginnen. Dort begegnet sie zum ersten Mal Ben und kann ihn nicht so schnell vergessen. Immer wieder taucht er auf, doch hat ihre Verliebtheit eine Zukunft?
Auch Freystetten bleibt von Problemen nicht verschont. Der Sohn Franz von Freystetten weigert sich zu heiraten, um die Erbfolge zu sichern. Und dann ist da Frieda, seine Schwester. Sie liebt das Leben in freien Zügen. Bis sie die Hilfe ihrer Familie bracht. Wie schon so oft ist es Ricarda, ihre Tante, die vermittelt.
In wechselnder Erzählweise wird der Leser in die Geschichte eingebunden. Sicher überwiegt Tonis Leben in Afrika. Hier ist es nicht nur die Beschreibung der Orte, sondern es wird auch klar gestellt der Unterschied der weißen Bevölkerung zu den Einheimischen. Welche Prioritäten gesetzt werden. Was ich toll fand, dass Toni Karen Blixen kennenlernt.
Kurz bevor Toni nach Hause fährt, erledigt sie zusammen mit Ben noch einen Auftrag. Doch dann ist sie auf einmal verschwunden. Die Familie versucht alles aus der Ferne.
Doch lest selbst.
Für mich ist "Zeit der Sehnsucht" ein gut gelungener Anschluß an "Die Ärztin"-Reihe.
Der Folgeband zu den Töchtern "Zeit der Hoffnung" erscheint im November 2023. Schon die Leseprobe macht neugierig und man möchte es sofort lesen.
Meine Leseempfehlung

Herzlichen Dank an den Verlag  für das Rezensionsexemplar
Rechte: Cover / Info   - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  Verlag

Afrika lässt grüßen - vielschichtiger Roman lebendig erzählt
Sie hatte ihren eigenen Kopf und wollte nach Afrika

Montag, 5. Dezember 2022

Für immer im Dezember ~ Emily Stone

 


Kannst du die große Liebe vergessen, wenn sie dir einmal begegnet ist?

Jedes Jahr im Dezember sendet Josie einen Brief an ihre geliebten Eltern, die sie vor vielen Jahren in einer Weihnachtsnacht auf tragische Weise verloren hat. Jedes Jahr erinnert sie das Fest der Liebe an ihren Verlust – und die Menschen, die sie so schmerzlich vermisst. Nur dieses Jahr soll alles anders werden. Denn kurz vor Weihnachten begegnet Josie einem Mann. Einem Mann, mit dem sie fünf wunderschöne Tage in London verbringt: In der Stadt, die im Dezember schöner strahlt als alle anderen. Und es scheint fast unmöglich, sich nicht zu verlieben. Doch gerade als Josie glaubt, dass es das beste Weihnachtsfest aller Zeiten werden könnte, verlässt Max sie, ohne sich von ihr zu verabschieden … 

Emily Stone  - Für immer im Dezember
Penguin Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (28. September 2022)
Sprache ‏: ‎ Deutsch  
Taschenbuch: ‎ 464 Seiten ISBN-13: ‎ 978-3328109105
Originaltitel:Always, in December  Babette Schrِder (Übersetzer)
€ 11,00 / Gelesen 11/2022


M̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅ ̲̲̅̅L̲̲̅̅e̲̲̅̅s̲̲̅̅e̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅d̲̲̅̅r̲̲̅̅u̲̲̅̅c̲̲̅̅k̲̲̅̅]

Aus. Vorbei. Josies Beziehung zu Oliver war beendet. Nur gut, dass es ihre Mitbewohnerin Bea gab. All das geschah auch gerade kurz vor Weihnachten. Dabei hatte Josie ganz vergessen, dass Bea über die Feiertage nicht da ist. Sie würde Urlaub in Argentinien machen.
Seit gut zwanzig Jahren hatte Josie ein Ritual und deshalb musste sie heute auch noch unbedingt etwas erledigen. Es gab kein Weihnachten mehr für sie mit ihren Eltern. Und das seit gut zwanzig Jahren. Neun Jahre war sie gewesen, als ihre Eltern verunglückten. Jedes Jahr schrieb sie ihnen einen Brief - ohne Adresse. So fuhr sie mit dem Rad los. Aber irgendwie lenkten ihre Gedanken sie ab und so blieb es unausweichlich, dass sie einen Mann übersah. Max.
Wie der Zufall es wollte, ist auch er die Feiertage hier. Sein Flug nach New York zu den Eltern war wegen der Wetterverhältnisse abgesagt. Die kommenden Tage unternehmen beide viel. Und irgendwie verliebt sich Josie in Max. Als er am zweiten Weihnachtstag nicht mehr da ist, trifft es sie sehr. Irgendwie im neuen Jahr treffen sie sich ab und an. Und Max ist es auch, der Josie dazu anhält, mehr aus ihrer Freude an der Fotografie zu machen. Das nächste Weihnachten steht wieder vor der Tür und Josie und Bea wollten eigentlich nach Budapest. Da erreicht Josie die Nachricht, dass ihre Großmutter mit Herzinfarkt im Krankenhaus liegt. Dass Josie jetzt jemanden an ihrer Seite braucht, kontaktiert Bea Max und bittet ihn um Hilfe. Oh nein, auf Max sich noch einmal einlassen das wollte Josie auf keinen Fall. Was war es nur, was Max umgab? Welche Sorge, welches Geheimnis trug er mit sich? Irgendwie wollte er ihr immer schon etwas sagen. Aber leider kommt es dazu nicht mehr. Dass was es ist erfährt Josie leider erst viel später. Ein Happy End für beide, leider nein. Aber das macht ja das Besondere von diesem Roman aus.
"Für immer im Dezember" ist der Debütroman von Emily Stone. Das zauberhafte Cover ruft nach einer fantastischen Weihnachtsgeschichte, doch das ist es in dem Sinn nicht. Dieses Buch birgt so viel. Es berührt, macht traurig … aber auch mit einer nötigen Prise Humor. Nun gut, dass Ende könnte vielleicht vorhersehbar sein. Vorsorglich rate ich Taschentücher bereit zu halten.
Sehr gut hat die Autorin ihre Protagonistin Josie gezeichnet, einmal mit dem Umgang mit der Trauer und wie sie aus sich herauskommt. Jede der mitwirkenden Figuren kommt authentisch herüber. Die jeweiligen Handlungsorte sind vielschichtig. So findet der Leser mit dem Buch nicht den so typischen weihnachtlichen Roman, aber auf jeden Fall eine sehr, sehr schöne Geschichte.


Herzlichen Dank an den Verlag / Bloggerportal für das Rezensionsexemplar
Rechte: Cover / Info   - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  Verlag

Ein wunderbarer, herzerwärmender Debütroman