Anne B. Radge
Das Erbstück
€ 9,99
Taschenbuch
448 Seiten
Verlag: btb Verlag (14. Januar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3442745012
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Buchinfo:
Als die alte Amalie Thygesen stirbt, jubeln viele in der Familie. Nur eine trauert ehrlich und ist entsetzt über die hasserfüllten Reaktionen, die selbst die Trauerfeier überschatten: Therese, die Enkelin. Sie hat ihre exzentrische Großmutter, die selbst im fortgeschrittenen Alter noch mit jedem Mann flirtete und zauberhafte Märchen kannte, geliebt. Aber kennt sie wirklich die ganze Geschichte? Während sie das Haus ihrer Großmutter ausräumt, erfährt sie immer mehr über Amalies bewegte Vergangenheit, und für Therese beginnt eine ungewöhnliche Spurensuche.
Autoreninfo:
Anne B. Ragde wurde 1957 im westnorwegischen Hardanger geboren.
Sie ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Autorinnen Norwegens
und wurde mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt mit dem Norwegian Language
Prize und dem Norwegischen Buchhandelspreis. Mit ihrer Trilogie »Das
Lügenhaus«, »Einsiedlerkrebse« und »Hitzewelle« schrieb sie sich in die
Herzen der Leserinnen und Leser; ihre Romane erreichten in Norwegen eine
Millionenauflage. Anne B. Ragde lebt heute in Trondheim.
Mein Eindruck:
Amalie Thygesen ist tot, die geliebte Großmutter von
Theresa, die ungeliebte Mutter ...
Die alleinerziehende Therese erfährt die Nachricht am
Telefon von ihrer Mutter. Geschockt hört sie die Erleichterung in der Stimme.
Theresas Mutter war Luft, wenn sie bei der in Dänemark lebenden Amalie war.
Schockierend mag auch der Eindruck sein, wenn man in die
Story „Das Erbstück“ eintaucht, in das Leben rund um Amalie und der Familie.
Die Begrüßung auf dem Kopenhagener Flughafen, befremdlich,
wenn man bedenkt, es geht hier um einen Todesfall. Mittendrin in diesem
Willkommenschaos Theresa und ihr Sohn Stian.
Für den Aufenthalt in Dänemark leben sie im Haus von Amalie.
Schnellstens soll es ausgeräumt und verkauft werden. Sie haben es eilig damit,
die Kinder von Amalie.
Und die hat vorgesorgt, wer was erhält. Mit Gummibändern und
weißen Zetteln versehen, auf dem sie die jeweiligen Namen des Empfängers
notiert hat, überall im ganzen Haus.
Für Theresa eine Reise in eine liebevolle Vergangenheit,
geprägt durch die sehr eigenwillig auftretende Großmutter, aber auch durch die
eigene Mutter, eine Fremde für sie, immer noch.
Während der Tage des Aufräumen, Sortieren unterbricht die
Autorin den Hang zu Sentimentalität durch die dem Alkohol nicht abgeneigten
Protagonisten.
Alkohol – eine Sucht, die in der Familie eine Rolle spielt.
Die Erinnerungen an den Großvater fließen fast unbemerkt in
die Handlung mit ein. Er, der immer wieder täglich zur Königlich Dänischen
Porzellanfabrik in Frederiksberg fuhr, verachtet von seiner Frau Amalie, die
sich stundenlang dem Alkohol hingibt. Und sie verstand es gut, Theresa gegen
die eigene Mutter zu beeinflussen.
(S. 36 Zitat: „Wir halten zusammen“, flüsterte ich. „Wir
kümmern uns nicht um deine Tochter.“)
Als es um die Aufteilung der im ganzen Haus verteilten
Bilder geht, bleibt für Theresa zum Schluss nur eins übrig. Ein gerahmtes Foto,
auf dessen Rückseite ihr Name steht. Es war so ganz anders als die anderen
Gemälde, ein Nacktfoto von einer Gruppe von vier Frauen.
Warum gerade Theresas Name auf dem Etikett stand?
Und was hatte die Verstorbene mit dem Bild zu tun?
„Das Erbstück“ von Anne B. Radge, geschrieben in
unterschiedlichen Perspektiven der Ich-Form, ist in fünf Teile aufgegliedert.
Während es mit dem Ableben von Amalie beginnt, endet es auch mit ihrer
Beerdigung.
Dazwischen wird der Leser in eine wunderbar geschriebene
Geschichte entführt, die einer Familie, rückblickend auf Vergangenes,
Generationen schreiben mit.
„Das Erbstück“ zeigt auf, zu welchen Persönlichkeiten
Menschen heranwachsen, ihr Umfeld sie prägt.
Eine Generationengeschichte, die mich bewegte, teils traurig
machte. Doch sie zeigt auch auf, dass Eigenschaften wie Mut und Liebe in den
Menschen weiterleben, getragen durch Erinnerungen.
„Theresas Suche nach der wahren
Großmutter Amalie“, zu lang für einen Buchtitel.
„Das Erbstück“, eine interessante
Familiengeschichte, erhält meine Leseempfehlung.
(S. 49 Zitat: „Schau mich an“,
sagte Oma. „Sag, was du siehst.“
„Oma, ich sehe Oma“, erwiderte
ich, nach einer Pause, in der ich nicht überlegt hatte, was ich sah, sondern,
was ich sagen sollte.
Ich sehe Oma.
„Genau, sagte sie. „Aber gerade
darin irrst du dich, meine süße, kleine Therese.“)
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