Das wilde Herz des Wacholders
Taschenbuch
272 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (19. Juni 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3423260619
Originaltitel: >Il cuore selvatico del ginepro<
Esther Hansen (Übersetzer)
€ 14,90
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VERLAG
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Meine Lesemeinung:
In der Nacht auf Allerseelen im Jahr 1880 kommt das
siebte Kind der Familie Zara auf die Welt. Es ist wieder ein Mädchen. Alle
Gebete waren umsonst. Nach einem alten Aberglauben ist dieses Mädchen eine
Coga, eine Hexe.
S. 12 Um ein Haar hätte es die Hebamme fallen
lassen. Ihre Miene war düster, ihr Blick auf einen Schlag uralt und in weite
Ferne gerichtet uner Gedanken, die man lieber nicht streifte, denn sie waren
hässlich und drehten sich um Dinge, so schwarz und unheilvoll wie die Nacht. ...
Das Kind trug die Merkmale des Teufels.
Die alte Hebamme bringt den Säugling zum Großvater
und Vater in die Küche. Es lag nun an Severino, dem Vater, etwas zu tun, was
getan werden musste. Doch er konnte sich nicht überwinden, das Baby zu töten und
so überließ er es draußen dem Wetter, der Natur. Aber das blieb nicht
unbemerkt. Die älteste Tochter Lucia schleicht sich hinaus und holt das Baby
herein.
Wenn ein Aberglaube sich erst einmal im Kopf festgesetzt
hat, wird alles was von nun an im Haus der Familie passiert, der Anwesenheit von Ianetta zugeschrieben.
Sie darf zwar bleiben, aber nicht am Familienleben teilnehmen. Ianetta wird
behandelt wie eine Aussätzige.
Handlungsort von "Das wilde Herz des
Holunders" ist ein kleines Dorf in Sardinien. Die Geschichte beginnt Ende
des 19. Jahrhunderts. Es herrscht eine beklemmende Atmosphäre von Beginn an und
diese Finsternis, das Alte, zieht sich
schon fast durchs gesamte Buch. Die Verbundenheit zwischen Lucia, die Ianetta
gerettet hatte, finde ich sehr gut beschrieben. Ianetta allerdings zieht sich
mehr und mehr zurück und lebt schließlich als Einsiedlerin im Wald.
Ianetta, was will der Titel des Buches dem Leser
sagen. Eine Coga, eine Hexe, darunter stellen wir uns alte, knorrige Frauen
vor, zäh im Leben, zäh im Nehmen. Zäh und knorrig wie Wacholder. In Mythen und
Sagen liest man oft davon, dass Hexen Wacholderäste als Hexenstab benutzen.
Wacholder ist ein Gehölz, dem man Robustheit zuschreibt. Und so ist auch
Ianetta, zäh und robust wie der
Wacholder.
Das Cover ist ansprechend. Wenn man auf das Bild
schaut, das alte Haus mit dem hohen Baum im Hintergrund, kann man sich das
damalige Leben schon vorstellen, so wie beschrieben.
Sprachlich hat mich die Autorin überzeugt, denn sie
schafft es mit einer bildhaften und flüssigen Schreibweise den Leser durch
knapp 272 Seiten zu begleiten und ihm die Geschichte nahe zu bringen.
Die Grundidee zum Buch, das Thema Aberglaube ist
gut umgesetzt. Auch wenn diese Geschichte in einem anderen Jahrhundert spielt,
denke ich, entspricht es immer noch der Realität.
Für mich ist "Das wilde Herz des
Holunders" ein überraschend gutes Buch, das sich aus dem Genre Frauenroman
hervorhebt. Deshalb von mir klare Leseempfehlung. Man sollte die Autorin im
Focus behalten.
Sehr gute vier (von sechs) Lesegenuss-Bücher.
Vanessa Roggeri, 1976 in
Cagliari geboren, ist dort auch aufgewachsen und hat Internationale Beziehungen
studiert. Mit 15 Jahren begann sie Kurzgeschichten in Anthologien zu
veröffentlichen. Ihr Romandebüt ›Das wilde Herz des Wacholders‹ wurde in
Italien zum Bestseller. Gerade arbeitet sie an ihrem nächsten Roman, der
ebenfalls auf Sardinien spielen wird.

Ich denke auch, dass sich gerade der Aberglauben in ländlichen Gebieten oder auf Inseln wie Sardinien bis heute gehalten hat.
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