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In den Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit. (Thomas Carlyle)

Freitag, 24. Oktober 2014

(Rezension) Wo ein bisschen Zeit ist … Emil Ostrovski


Emil Ostrovski
Wo ein bißchen Zeit ist
Gebundene Ausgabe
304 Seiten
Verlag: FISCHER FJB; Auflage: 1 (24. Juli 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3841421609
Originaltitel: The Paradox of Vertical Flight
€ 16,99


Link ► zum Buch ◄ Verlagsseite








© Rechte: Cover / Info - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Fischer FJB
Vielen Dank an den Verlag  für das Leseexemplar

Drei Teenager und ein Baby - auf der Flucht vor der Polizei und auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Ein Roadmovie-Roman.

Der 18-jährige Jack Polovsky entführt seinen neugeborenen und zur Adoption freigegebenen Sohn, um ihn seiner dementen Großmutter zu zeigen.
Und so gerät alles aus den Fugen.
Jack kauft ein Auto, holt seinen besten Freund Tommy und später auch die Mutter des Kindes dazu, und gemeinsam sind sie zwei Tage lang auf der Flucht vor der Polizei.
Jack bespricht dabei schon mal die ganz großen Themen des Lebens mit seinem Sohn. Der heißt nämlich Sokrates – zumindest für Jack.
Am Ende wird alles gut: Jack bekommt Besuchsrecht, das Baby Sokrates bekommt einen richtigen Namen und sie finden (fast) den Sinn des Lebens.

Meine Meinung:
Es ist schon eine Weile her, dass das Buch „Wo ein bisschen Zeit ist …“ als Überraschung bei mir ankam. Hierbei handelt es sich um den Debütroman von dem 23-jährigen Emil Ostrovski.

Als der halbwüchsige Teenager Jack sich gerade mal wieder mit Suizidgedanken trägt, erfährt er durch ein Telefonat, dass er gerade Vater wird. Seine Exfreundin bringt seinen Sohn zur Welt, während die Adoptiveltern schon im Hintergrund warten.
Was nunmehr folgt, erscheint erst mal wie eine Kurzschlußhandlung. Im Krankenhaus sieht er sein Kind und einer Eingebung nach muss er es unbedingt seiner dementen Großmutter zeigen, bevor sein Sohn zu den Adoptiveltern kommt.
Sokrates, nach dem griechischen Philosophen, so nennt er seinen Sohn. Wahrscheinlich nicht ohne Grund, denn aus dem philosophieren kommt man während der ganzen Handlung kaum raus. Mit seinem Freund Tommy und letztendlich auch der Mutter des Babys macht er sich auf den Weg zu seiner Granny. Der Roadtrip beginnt – Auf der Flucht vor der Polizei.

Der sonst so voller Selbstzweifel geplagte Jack entwickelt während der Reise eine ganz besondere Beziehung zu seinem Sohn. Er unterhält sich mit ihm über Gott und die Welt, über den Sinn des Lebens. Tja, man könnte denken, Jack hat irgendwie eine Macke.
Der Klappentext ist schon eine exakte Inhaltszusammenfassung.
Sicher ist das Buch nicht ganz einfach zu lesen, denn bei mir traten schon einige Fragen auf, die unbeantwortet blieben. Wie die Jugendlichen mit dem Baby umgehen, irgendwie schon verrückt, aber immer ums Wohlergehen besorgt, war schon rührend zu lesen.
Die Reise der drei Protagonisten und dem Baby ist gefühlvoll und doch teils sehr widersprüchlich geschrieben. Die Handlung scheint anspruchsvoll, und doch wurde die Sprache der Jugend nicht aus den Augen verloren. Allerdings war der Schreibstil des Autors sehr gewöhnungsbedürftig.


Mit gemischten Gefühlen habe ich mich durch die Story gelesen. Vielleicht lag es daran, dass es nicht ganz meiner Richtung entsprach. Es hatte den Anschein, dass es auf einem sehr hohen Niveau geschrieben ist, anspruchsvoll und nicht mal eben so gelesen. Ob es allerdings in die Kategorie Jugendbuch passt bzw. für alle Jugendliche geeignet ist,  da habe ich meine Zweifel. Wie hat mir das Buch gefallen, diese Frage stellte sich zum Schluss. Eine klare Antwort kann ich nicht geben. Wie es halt im Leben so ist, Geschmäcker sind verschieden. 
 
Von daher erhält das Buch „Wo ein bisschen Zeit ist …“ von mir sehr gute drei Lesegenuss-Bücher. Für vier hat es dann doch nicht gereicht.

  
Ein Buch, welches immer wieder von einer Stelle auf die andere geschoben wurde. Ich hatte einige Stellen im Buch gelesen und irgendwie war mir klar, dass kann ich nicht mal so lesen. Zeit und Muse mußte her!

Vita:
Emil Ostrovski ist 23, er emigrierte mit seiner Familie aus Russland in die USA als er zwei Jahre alt war. Er mag Macarons, hat Philosophie studiert und verbringt mehr als ein bisschen Zeit auf langen Spaziergängen, beim Lesen von Kant und bei seinem Creative-Writing-Studium. Dies ist sein erster Roman.  

Mittwoch, 22. Oktober 2014

(Rezension) ➤ Brombeerwinter - Sarah Jio


Sarah Jio

Brombeerwinter
Taschenbuch
352 Seiten
Verlag: Diana Verlag (8. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3453357921
Originaltitel: Blackberry Winter
€ 8,99
auch als EBOOK erhältlich




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Das Geheimnis einer Sturmnacht
Die Journalistin Claire Aldrige traut ihren Augen kaum: Es ist Mai, die Brombeeren blühen schon, doch vor ihrem Fenster tobt ein Schneesturm. Das gab es in Seattle zuletzt vor achtzig Jahren. Bei ihren Recherchen stößt Claire auf die Geschichte eines kleinen Jungen, der in dem Unwetter damals spurlos verschwand. Sein Schicksal lässt sie nicht mehr los, denn auch sie muss einen tragischen Verlust verwinden. Immer tiefer taucht Claire in die Vergangenheit ein und ahnt noch nicht, wie sehr diese Spurensuche auch ihre eigene Zukunft bestimmen wird …

Meine Meinung:
Bei dem vorliegenden Buch „Brombeerwinter“ oder wie es im englischen heißt „Blackberry Winter“, handelt es sich um eine Familiengeschichte, die sich in zwei Zeitebenen abspielt. Beide Geschichten haben etwas gemeinsam, wobei es nicht nur um das Wetterphänomen, dem Schneesturm Anfang Mai, geht.

2010:
Die Journalistin Claire wird von ihrem Chef mit einer Story über den Schneesturm beauftragt. Er hatte herausgefunden, dass vor gut fast achtzig Jahren Seattle ebenfalls Anfang Mai von einem derartigen Wetterumschwung heimgesucht wurde. Metereologen nennen so etwas den „Brombeerwinter“. Claire arbeitete beim „Herald“. Dort wird sie von Abby, die die Dokumentation der Zeitung unter sich hat, mit einer Geschichte konfrontiert, die sich 1933 Anfang Mai ereignet hatte. Ein dreijähriger Junge war am Morgen des 2. Mai von seiner Mutter als vermisst gemeldet.
Durch Claires eigenen Verlust vor gut einem Jahr konnte diese sich sehr gut in die Situation von Vera Ray hineinversetzen.

1933:
Jeden Abend musste die alleinerziehende Vera Ray ihren kleinen Sohn Daniel allein zu Hause lassen. Es war die Zeit der Weltwirtschaftskrise und sie war gezwungen, nachts in einem Hotel als Zimmermädchen zu arbeiten. Als sie am Morgen des 2. Mai nach Hause kommt, ist ihr Sohn verschwunden. Auf der Suche nach ihm findet sie seinen Teddy. Die Polizei glaubt, dass er von daheim weggelaufen war. Doch gefunden wird Daniel nie.

Claire beginnt zu recherchieren, obwohl ihr die Zeit für den Artikel im Nacken sitzt. Sie will herausfinden, was damals passiert war. Eine weitere Auszeit, die sie als Ethans Frau nehmen könnte, will sie nicht. Ethans Familie gehörte die Zeitung, die schon sehr lange im Familienbesitz war.

In wechselnden Kapiteln wird die Geschichte jeweils aus Veras und Claires Sicht erzählt. Was also wurde aus Daniel und was geschah mit Vera?
Je intensiver Claire in der Geschichte recherchiert, umso mehr erfährt man über sie und ihre Ehe. Der Verlust und die Trauer belasten die Ehe. Während ihrer Suche stößt sie auf Hinweise, die nicht einfach zu ignorieren sind. Für Claire ist diese Geschichte aber auch so etwas wie eine Art Therapie, Schmerzbewältigung.

Ein großes Geheimnis umgibt den kleinen verschwundenen Jungen Daniel aus dem Jahr 1933, der ja unehelich geboren war. Den Schleier lüftet Sarah Jio behutsam, sorgt dann und wann für eine kleine Überraschung. Was mir besonders gefiel, war die Zeit von Vera. Auch mit „Brombeerwinter“ erhält der Leser wieder einmal einen Einblick in die damalige Zeit. Was letztendlich aus Vera wurde, möchte ich offen lassen.

Claire und Vera, auch wenn sie zu verschiedenen Zeiten gelebt haben, sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Doch beiden haben etwas gemeinsam: Sie trauern um den Verlust ihres Kindes. Einfühlsam geht die Autorin mit ihren Protagonistinnen um, lässt sie Gefühle und Emotionen zeigen.

„Brombeerwinter“ ist eine wunderbare Geschichte, die letztendlich mit einer Überraschung am Ende aufwartet. Es mag sein, dass viele kleine Zufälle in der Geschichte passieren, vorhersehbar, aber das wäre jetzt ein Haar in der Suppe suchen.
Die Liebe einer Mutter ist unermesslich!
„Brombeerwinter“ ist ein Buch, welches man nicht so schnell aus der Hand legt, eben ein besonderes Buch, empfehlenswert. Auch das Cover gefällt und spricht an.



Sarah Jio ist Journalistin und schreibt für verschiedene Zeitungen und Magazine, u. a. Glamour, SELF, The Seattle Times und Marie Claire. Ihre Romane sind Bestseller und wurden in insgesamt 22 Ländern veröffentlicht. Im Diana Verlag erschienen bisher »Irgendwo für immer«, »An einem Tag mit dir« und »Brombeerwinter«. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Seattle.


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Herzlichen Dank an den Verlag  für das Leseexemplar.
 

Montag, 20. Oktober 2014

(Rezension) ➤ Das Sonntagsmädchen - Kate Lord Brown


Kate Lord Brown
Das Sonntagsmädchen
Taschenbuch
464 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (15. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3492305457
€ 9,99

Kauflink " Verlag"
auch als EBOOK
Cover / Info - siehe Verlag






Kurzinfo:

Eine französische Künstlervilla, eine schicksalhafte Liebe und eine verborgene Schuld 
Immer sonntags öffnet die herrschaftliche Villa in Marseille ihre schmiedeeisernen Tore und wird zum Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle, die aus allen Ecken des Landes herbeiströmen. Auch der junge Maler Gabriel Lambert macht sich auf den Weg nach Südfrankreich. Doch es ist das Nachbarhaus, das ihn schon bald in seinen Bann zieht. Denn dort wohnt ein Mädchen, dessen Schönheit ihn vom ersten Augenblick an fesselt. Ein Mädchen, für das er alles zu tun bereit ist - koste es, was es wolle ...
 
★*Meine Meinung*★

Die Geschichte „Das Sonntagsmädchen“ spielt auf zwei Zeitebenen. Im Spätsommer 2000 schreibt die Journalistin Dr.  Sophie Cass an den berühmten Maler Gabriel Lambert einen sehr eindringlichen Brief mit der Aufforderung um Stellungnahme. Durch ihre Großtante Vita, etlichen Bildern hatte sie gründlich des Malers Weg von Europa in die USA recherchiert. Doch um den Artikel über ihn und seinen 90. (?) Geburtstag veröffentlichen zu können, muss alles was geschrieben steht, wasserfest sein. Und dazu bedarf es eines persönlichen Gesprächs mit Lambert. Über ihn und seine Zeit vor gut 60 Jahren, als er im November 1940 in Marseille ankam. Dort gab es diesen Amerikaner, Varian Fry, und das amerikanische Hilfswerk ARC, dass Personen, die auf der Flucht vor den Nazis waren, in die USA half.
Der erste Eindruck vom Cover täuscht, denn was den Leser inhaltlich erwartet, gibt keinerlei Eindruck davon.
Um es kurz zu sagen, es ist keine einfache Geschichte „Das Sonntagsmädchen“. Kein Roman mal eben für zwischendurch.
Es geht (wieder einmal) um den Nationalsozialismus, die Verfolgung von Menschen in ganz Europa. Hitlerdeutschland. Das Schicksal vieler Menschen, die sich an einen Strohhalm klammerten, gerettet zu werden. Und hier steht die Organisation ARC imn Focus der Handlung, auch wenn es sich um den Weg, das Leben des Malers Gabriel Lambert handelt. Man bekommt einen sehr guten Blick in diese Organisation mit allem Drum herum.

Die Rückblenden innerhalb der Gegenwartskapitel waren teils sehr verwirrend. Und auch die vielen genannten Personen machten das Lesen oft zu einer schwierigen „Bezwingung eines Berggipfels“. Durch die teils sehr langatmig beschriebenen Handlungen kann einem da beim Lesen schon einmal die Puste ausgehen.
Es fehlte den Charaktere an Farbe, es hatte den Anschein, als ob die schwarzen dunklen Wolken der Vergangenheit sich bis in die heutige Zeit nicht richtig aufgelöst hatten.
So braucht es fast bis zum Schluss, um dann ein doch noch gutes Ende lesen zu dürfen. Ein langer Weg, aber das Durchhalten lohnte sich dafür. Aber auch die Person Varian, der Organisation waren mehr als ein paar Farbtupfer in der Handlung.

Wer sich durch das Cover und auch Titel täuschen lässt und hier leichte Kost erwartet, dem rate ich davon ab „Das Sonntagsmädchen“ zu lesen.
Auch muss ich ehrlich sagen, dass ich nicht genau weiß, welche Bewertung dieses Buch verdient.
Zum einen hat mir die Idee gut gefallen, allerdings ist die Gesamtumsetzung dann doch leider irgendwie daneben gegangen. Schade eigentlich!



Weitere Bücher der Autorin im Verlag Piper:
Das Haus der Tänzerin
Der Zauber ferner Tage
Das Sonntagsmädchen
Die letzten Tage des Sommers

Vita:
Kate Lord Brown wuchs in der malerischen englischen Grafschaft Devon auf. Nach ihrem Studium der Philosophie an der Universität Durham und am Courtauld Institute of Art war sie zunächst als internationale Kunstberaterin tätig und kuratierte in Europa und dem Mittleren Osten Sammlungen für Botschaften und Paläste. Später zog sie mit ihrer Familie nach Valencia und widmete sich dort dem Schreiben. Im Jahr 2009 war sie eine der Finalistinnen der »People´s Author Competition«, die vom britischen TV-Netzwerk ITV ausgerichtet wird. Sie ist mit einem Piloten verheiratet und lebt heute mit ihrer Familie in Qatar. Ihr Debütroman „The Beauty Chorus“ wurde von den vielen Stunden inspiriert, die sie auf Flugplätzen in Großbritannien verbrachte. Sie verarbeitet darin die Erfahrungen von Piloten aus ihrer Familie während des Zweiten Weltkriegs. Ihr zweiter Roman über den Spanischen Bürgerkrieg, „Das Haus der Tänzerin“, zehrt von den Jahren, die sie in Spanien gelebt hat, und und ist ihr erster auf Deutsch erschienener Roman.


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Herzlichen Dank an den Verlag  für das Leseexemplar.