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In den Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit. (Thomas Carlyle)

Montag, 10. August 2015

|| Rezension || Das wilde Herz des Wacholders ~ Vanessa Roggeri

Vanessa Roggerie
Das wilde Herz des Wacholders
Taschenbuch
272 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (19. Juni 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3423260619
Originaltitel: >Il cuore selvatico del ginepro<
Esther Hansen (Übersetzer)
€ 14,90

© Cover - Infos - Kauflink
VERLAG





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Herzlichen Dank an den Verlag  für das Leseexemplar.

Meine Lesemeinung:
In der Nacht auf Allerseelen im Jahr 1880 kommt das siebte Kind der Familie Zara auf die Welt. Es ist wieder ein Mädchen. Alle Gebete waren umsonst. Nach einem alten Aberglauben ist dieses Mädchen eine Coga, eine Hexe.
S. 12 Um ein Haar hätte es die Hebamme fallen lassen. Ihre Miene war düster, ihr Blick auf einen Schlag uralt und in weite Ferne gerichtet uner Gedanken, die man lieber nicht streifte, denn sie waren hässlich und drehten sich um Dinge, so schwarz und unheilvoll wie die Nacht. ...
Das Kind trug die Merkmale des Teufels. 
Die alte Hebamme bringt den Säugling zum Großvater und Vater in die Küche. Es lag nun an Severino, dem Vater, etwas zu tun, was getan werden musste. Doch er konnte sich nicht überwinden, das Baby zu töten und so überließ er es draußen dem Wetter, der Natur. Aber das blieb nicht unbemerkt. Die älteste Tochter Lucia schleicht sich hinaus und holt das Baby herein.
Wenn ein Aberglaube sich erst einmal im Kopf festgesetzt hat, wird alles was von nun an im Haus der Familie passiert,  der Anwesenheit von Ianetta zugeschrieben. Sie darf zwar bleiben, aber nicht am Familienleben teilnehmen. Ianetta wird behandelt wie eine Aussätzige.
Handlungsort von "Das wilde Herz des Holunders" ist ein kleines Dorf in Sardinien. Die Geschichte beginnt Ende des 19. Jahrhunderts. Es herrscht eine beklemmende Atmosphäre von Beginn an und diese Finsternis, das Alte,  zieht sich schon fast durchs gesamte Buch. Die Verbundenheit zwischen Lucia, die Ianetta gerettet hatte, finde ich sehr gut beschrieben. Ianetta allerdings zieht sich mehr und mehr zurück und lebt schließlich als Einsiedlerin im Wald. 
Ianetta, was will der Titel des Buches dem Leser sagen. Eine Coga, eine Hexe, darunter stellen wir uns alte, knorrige Frauen vor, zäh im Leben, zäh im Nehmen. Zäh und knorrig wie Wacholder. In Mythen und Sagen liest man oft davon, dass Hexen Wacholderäste als Hexenstab benutzen. Wacholder ist ein Gehölz, dem man Robustheit zuschreibt. Und so ist auch Ianetta,  zäh und robust wie der Wacholder.
Das Cover ist ansprechend. Wenn man auf das Bild schaut, das alte Haus mit dem hohen Baum im Hintergrund, kann man sich das damalige Leben schon vorstellen, so wie beschrieben.
Sprachlich hat mich die Autorin überzeugt, denn sie schafft es mit einer bildhaften und flüssigen Schreibweise den Leser durch knapp 272 Seiten zu begleiten und ihm die Geschichte nahe zu bringen.
Die Grundidee zum Buch, das Thema Aberglaube ist gut umgesetzt. Auch wenn diese Geschichte in einem anderen Jahrhundert spielt, denke ich, entspricht es immer noch der Realität.
Für mich ist "Das wilde Herz des Holunders" ein überraschend gutes Buch, das sich aus dem Genre Frauenroman hervorhebt. Deshalb von mir klare Leseempfehlung. Man sollte die Autorin im Focus behalten.
Sehr gute vier (von sechs) Lesegenuss-Bücher.


Vanessa Roggeri, 1976 in Cagliari geboren, ist dort auch aufgewachsen und hat Internationale Beziehungen studiert. Mit 15 Jahren begann sie Kurzgeschichten in Anthologien zu veröffentlichen. Ihr Romandebüt ›Das wilde Herz des Wacholders‹ wurde in Italien zum Bestseller. Gerade arbeitet sie an ihrem nächsten Roman, der ebenfalls auf Sardinien spielen wird.


Sonntag, 9. August 2015

|| Kurzreport || Glückskekssommer - Kerstin Hohlfeld

Kerstin Hohlfeld
Glückskekssommer
Broschiert
420 Seiten
Verlag: Gmeiner, A; Auflage: 2 (7. Februar 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3839211472

€ 11,90





Meine Lesemeinung:
"Glückskeks I - Heute Abend hält das Schicksal etwas für Sie bereit."
Mit diesem Spruch beginnt das Buch "Glückskekssommer, dem ersten Band zur Rosa-Redlich-Reihe.
Es ist Asia-Woche im Discounter und Oma-Tag für Rosa. Vor Jahren waren beide nach Berlin gezogen und in sporadischen Abständen trafen sie sich. Rosas Oma liebte die asiatische Lebensart und hoffte, eines Tages ihren Traum in die Tat umsetzen zu können: Eine Reise nach China. Es war ebenso Ritual am Oma-Tag, dass sie Rosa mit Glückskeksen beschenkte. So findet sich bei jedem neuen Kapitel ein neuer Spruch aus einem Glückskeks. Welchen Bezug er auf die laufende Handlung hat, lässt sich gut nachvollziehen.
Rosa steht kurz vor ihrem Abschluss als Schneiderin - ebenso wie ihre Cousine Lila. Beide lernen im Atelier von Helene Senner. Doch welche von beiden wird nach der Lehre übernommen? Eigentlich ist alles klar, denn Rosa kann furchtbar gut nähen und hat so tolle Ideen. Lila und Rosa kennen sich von klein auf, sind zusammen aufgewachsen in diesem kleinen Provinzdorf, wo jeder jeden kennt. Nach etlichen Irrwegen meistert Rosa nunmehr ihre Lehre, lebt mit Lila zusammen in deren Wohnung. Einen Freund hat sie auch, Rob. Dann aber schlägt das Schicksal kräftig zu und wirft Rosa aus der Bahn. Die Filmdiva Eav Andrees trägt ihr Meisterstück zur Berliner Filmnacht und es kommt hart, ganz hart. Eine Naht reißt ... und alles ist aus. Rob, der Freund und Lila können sie nicht trösten, und trösten sich selbst.

Bis Rosa hinter die Affaire der beiden kommt, dauert es. Sie fliegt aus Lilas Wohnung und kommt, mit einer Zwischenstation bei der Oma, bei einer früheren Schulkollegin unter. Inzwischen hat sie einen Job in einer kleinen Schneiderei mit einer herzensguten Meisterin. Dort hat sie auch Vicki getroffen. Meine Güte, was war aus der geworden!

Also Rosa, richte dein Krönchen und steh wieder auf. Das Prinzessinnenleben ist vorbei. Mach was aus deinem Leben. So und nicht anders musste das Motto für die weitere Zukunft von Rosa Redlich heißen.

Klasse, ich habe mich selten so gut unterhalten gefühlt. Hier stimmt wirklich alles und am Ende war ich richtig "sauer", dass das Buch schon zu Ende war. Nur gut, dass ich noch die drei Folgebände lesen darf!

Es gibt nichts von meiner Seite zu kritisieren, das war Lesegenuss pur! Und was für Überraschungen das Buch noch bereit hält, nun lest selbst.

"Glückskeks Nr. 13
Rüge deine Familie im Verborgenen und lobe sie in der Öffentlichkeit!"


Ich gebe fünf Lesegenuss-Bücher und verzichte auf eine ellenlange Rezension. Es gibt schon zig davon und so habe ich die Kurzfassung gewählt ♥


Buchinfo lt. Verlag:
"Heute Abend hält das Schicksal etwas für Sie bereit!" Eigentlich glaubt die angehende Schneiderin Rosa Redlich kein bisschen an das Schicksal und schon gar nicht an die Prophezeiungen aus Discounter-Glückskeksen. Aber dieser Spruch hat es ihr ausnahmsweise angetan, denn im Moment scheint sie eine echte Glückssträhne zu haben. Ausgerechnet die berühmte Filmdiva Eva Andrees hat Rosas Gesellenstück entdeckt und möchte "dieses Traumkleid und kein anderes" für ihren Auftritt bei der Berliner Filmnacht. Doch kann das Schicksal wirklich in einem Keks geschrieben stehen?

Rechte: Cover / Info - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung beim  Verlag

Samstag, 8. August 2015

|| Rezension || Der Sommer der Wildschweine - Birgit Vanderbeke


Birgit Vanderbeke
Der Sommer der Wildschweine
Taschenbuch
160 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (13. Juli 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492305598
ISBN-13: 978-3492305594
€ 8,99

Cover - Info - Zitate
VERLAG





Herzlichen Dank an den Verlag  für das Leseexemplar.
Aktuelles Cover zum Zeitpunkt der Rezension

Kurzinfo:
Milan und Leo machen Ferien. Zum ersten Mal seit ewig. Durch die Wirtschaftskrise sind sie mit einem blauen Auge gekommen, und allmählich haben sie sich wieder daran gewöhnt, »am Leben zu sein«. Sie mieten in dem südfranzösischen Örtchen Fontarèche ein Haus – doch auch dort holt sie die Welt ein, die sie für ein paar Wochen hinter sich lassen wollten.

Ein Roman voller Leidenschaft, Furor und klugen Beobachtungen.

Meine Lesemeinung:

Urlaub auf dem Land, fernab von all dem täglichen Stress. Milan und Leo haben in Südfrankreich von einem Bekannte das Haus gemietet. Fontarèche, ein kleines Dorf, was für ein krasser Gegensatz zur Großstadt Frankfurt, wo beide wohnen. Die Kinder sind außer Haus und haben ihr Glück im Ausland gefunden. Nach jahrelangem Kampf ums Überleben gönnen sich die beiden endlich mal wieder einen Urlaub. Während der Weltwirtschaftskrise hatte Milan den Verlust seines Unternehmen hinnehmen müssen, und nur dank seines Sohnes Jonny haben sie die Durststrecke weitestgehend überlebt.
"Es war der Sommer der Wildschweine.
Und es war der Sommer, in dem alles anders wurde. Wenn man genau überlegt, was in diesem Sommer passiert ist: eigentlich nicht viel. Jedenfalls uns nicht."
Buchanfang


Ich hatte von Birgit Vanderbeke noch kein Buch gelesen, aber der Name war mir nicht unbekannt. Der Titel des Buches "Der Sommer der Wildschweine" ist etwas irreführend, warum lest selbst. Zu Beginn erfährt man einiges aus dem Leben der Familie. Erzählt wird die gesamte Handlung aus der Sicht von Leo.
War ich anfangs etwas irritiert über die Schreibweise, legte sich das sehr schnell und man steckt mitten drin. Wahrlich ein schöner Fleck, das Örtchen Fontarèche. Doch auch hier steht die Zeit nicht still. Um das Grundstück herum ein hoher Zaun. Die Erklärung gibt den beiden Pierre, der Verwalter. Weitere Ratschläge erhalten sie für ihren Aufenthalt. Man kann sich Leos Erzählweise nicht entziehen. Sie spricht von ihren Sorgen, Hoffnungen und "hoffentlich wackelt der Boden nicht in diesem Sommer für uns". Ich hätte gern noch etliche Zitate mit eingebaut, aber war dann der Meinung, bei dem 160 Seiten umfassenden Buch rate ich zum Kauf!
Mit einem Hauch von Selbstironie nimmt Leo den Leser mit auf eine besondere Lesezeit. Die Covergestaltung finde ich gut gelungen.
Insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt - das Buch war wieder einmal ein Glücksgriff!

Ich gebe fünf Lesegenuss-Bücher.
 
Vita:
Birgit Vanderbeke, geboren 1956 im brandenburgischen Dahme, lebt im Süden Frankreichs. Ihr umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis. 2007 erhielt sie die Brüder-Grimm-Professur an der Kasseler Universität.