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In den Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit. (Thomas Carlyle)

Dienstag, 10. März 2020

(Rezension) Leas Spuren - Bettina Storks

Buchkauf

Paris 2016. Ein lukratives Erbe winkt der Stuttgarter Historikerin Marie und dem französischen Journalisten Nicolas, wenn sie eine schwierige Aufgabe lösen: Gemeinsam sollen sie ein lang verschollenes Gemälde finden und es den möglichen Überlebenden einer jüdischen Pariser Familie zurückgeben. Ihre Suche führt sie nicht nur in die Wirren des Zweiten Weltkriegs und an die Abgründe der Besatzungszeit, sondern wird rasch zu einem atemlosen Ringen mit der Vergangenheit ihrer Familien. Im Dickicht des Kunstraubs der Nazis muss sich Marie einem schrecklichen Geheimnis stellen – und bald auch ihren Gefühlen für Nicolas.

Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ 
Rechte: Cover / Info / Zitat  - zum Zeitpunkt der Rezensionsveröffentlichung
Verlag  Diana
Bettina Storks - Leas Spuren
TB Klappenbroschur, 464 Seiten
ISBN: 978-3-453-36046-4
Gelesen 01/2020

Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ

"Leas Spuren" von der Autorin Bettina Storks - hier begibt sich der Leser auf eine Zeitreise in die wohl dunkelste Vergangenheit der deutschen Geschichte im Zweiten Weltkrieg.
Handlungsorte sind zum einen in der Gegenwart Stuttgart und Paris als auch in den vierziger Jahren des vergangenen Jh. ebenfalls Paris.
Es ist Oktober 2016 als die Historikerin Marie Bergmann nach Paris einer Einladung nach Paris folgt zwecks Regelung der Erbangelegenheiten von Victor Blanc. Niemanden der Familie war der Name geläufig. Omas Fredis Schwester hatte zwar eine lange Zeit während des Kriegs in Paris verbracht, aber die konnte nun nicht mehr gefragt werden. Beim Notar trifft sie Marie auf den Enkel von Victor, Nicolas. Das Testament birgt eine Überraschung, stellt es doch dar, dass es eine Verbindung zwischen Victor und Charlotte gab. Langjährige Weggefährtin, so hatte Victor von Charlotte im Testament gesprochen. Beide Anwesenden erben eine Wohnung in der Rue Oberkampf im elften Arrondissement. Doch das Erbe ist mit einem Auftrag verbunden, wofür sie ein Jahr lang Zeit haben, ihn zu erfüllen. Ein verloren gegangenes Gemälde des jüdischen Malers soll gefunden und an die rechtmäßigen Besitzer übergeben werden - wenn vorhanden.
S. 20
"Dieses Schreiben setze ich vorsorglich auf", fuhr Maitre Lambert fort. "Ich bin nun fünfundneuzig Jahre alt. Sollte meine Lebenszeit nicht ausreichen, die Angelegenheit selbst zu klären, dann ist es an Euch, Nicolas und Marie, geschehenes Unrecht wiedergutzumachen".
Geschehenes Unrecht wiedergutzumachen


Die Wohnung hatte Victor 1940 gekauft. Marie findet dort Aufnahmen ihrer Großtante. Und nicht nur das. Nicolas und Marie stoßen auf Papiere, Zeugnisse aus der deutschen Nazi-Zeit während der Besatzung von Paris. Charlotte war Bibliothekarin gewesen. Hatte in der Deutschen Botschaft in Paris gearbeitet. Welche Verbindung bestand zwischen den beiden?

Dies ist ein Blick in die Handlung. Je mehr man darüber offen schreibt, es würde einfach zu viel von diesem großartigen Roman preis geben.
Die Autorin entführt den Leser in das Paris zur Zeit der deutschen Besatzung, beschreibt den dort geführten Kunstraub, die Gier nach allem und eben auch die Ängste der betroffenen Menschen. Geschickt gelingt ihr der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Dass jeder Protagonist mit seiner eigenen Geschichte dazu beiträgt, zwischen Wahrheit und Fiktion, ist ihr wirklich perfekt gelungen.
Aufgrund der Tatsache, dass ich schon eine Bücher von der Autorin gelesen habe, wurde ich auch mit diesem Roman nicht enttäuscht. Auch wenn es eine Zeitlang leider liegen bleiben mußte, aber das steht hier nicht an. Und es gibt halt auch manchmal Bücher, die nicht einfach nur mal so gelesen werden, sondern der richtige Zeitpunkt dafür abgepasst werden muss. Vieles aus der damaligen Zeit des Zweiten Weltkriegs, des geschehenen Unrechts, die Greueltaten, wir können es uns so gar nicht vorstellen. Auch wenn es wie hier im Roman vielleicht "nur" eine Geschichte ist, steckt sehr sehr viel Wahrheit dahinter.
Noch gibt es sie, die Zeitzeugen aus der Zeit, die überlebt haben. Die ihre Geschichten erzählen könnten, wenn sie es wollten.
Es gibt wenig, womit man mich normalerweise beeindrucken kann. Doch dieser komplexe Roman von Bettina Storks hat mich sehr beeindruckt.
Ich habe diesen Roman noch eine ganze Weile mit mir in Gedanken getragen. Diesem außerordentlichen Leseerlebnis gebe ich meine ausdrückliche Empfehlung.
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ  5 Lesegenuss-Bücher


Leas Spuren - nicht nur eine Geschichte ...

Samstag, 15. Februar 2020

Die Frauen vom Alexanderplatz ~ Elke Schneefuss [Rezension]

Gelesen 02/2019
Berlin im Aufbruch:
Drei Frauen.
Drei Schicksale.
Drei Wege, die sich kreuzen.


Berlin 1918: Das Land ist erschüttert von den Folgen des Ersten Weltkrieges. In Berlin tobt die Novemberrevolution. In diesen Tagen begegnen sich der Matrose Benno und die Schneiderstochter Vera und verlieben sich sofort ineinander. Was Benno nicht ahnt: Seine Jugendliebe Fritzi ist auf der Suche nach ihm und will ihn zurückholen. Auch die Fabrikantentochter Hanna reist in diesen Tagen in die verschneite Hauptstadt und schmiedet Pläne für eine selbstbestimmte Zukunft. Die drei Frauen sind davon überzeugt, dass endlich besser Zeiten vor ihnen liegen und sie sind bereit, alles dafür zu tun, ihre Träume zu verwirklichen.

Ӝ̵̨̄Ʒ Mein Leseeindruck:
Berlin Weihnachten 1918. Der Winter herrschte mit seiner Kälte und der Krieg hatte Hunger und Not über das Land gebracht. Als erste Protagonistin begegnet dem Leser Vera, die sich aufmacht um für ihre kranke Mutter Medizin zu besorgen. Sie muss aufpassen, denn Soldaten, Meuterer und versprengte Matrosen lieferten sich immer noch Straßenschlachten. Direkt vor der Haustür des Doktors hat sie einen Zusammenstoß mit Matrosen, wobei einer sie zum weglaufen zwingt. Man sah ihr nicht an, dass sie eine Frau war, verkleidet mit den Männersachen ihres Bruders. Der Matrose rennt mit ihr nach Haus, in die Palisadenstraße nahe Alexanderplatz. Vera Nowak erfährt, dass der Matrose Benno Funke hieß und aus Eckernförde stammte. Sie gewährt ihm über die Feiertage Unterkunft, denn er wollte nicht mehr zurück. In der geschlossenen Werkstatt des verstorbenen Vaters bleibt er.
Zur gleichen Zeit fährt die Fabrikantentochter Hanna Münchow heim in Berlin. Sie kam aus dem Osten, wo sie bis vor kurzem noch als Hilfsschwester im Reservelazarett in Westpreußen gearbeitet hatte. Nun wollte sie ihre weitere Zukunft planen, die bestimmt nicht so aussah wie die Familie es wünscht. Der Wunsch nach Freiheit und Selbständigkeit.
Heiligabend in Schleswig-Holstein macht sich die junge Frau Fritzi auf den Weg nach Berlin, um den Vater ihrer vierjährigen Tochter zu suchen. Benno wußte nichts von Christel Existenz. Er war nach Kriegsende nicht nach Hause zurückgekehrt und sie wollte ihn zurückholen - in ihr gemeinsames Leben, ihre Zukunft.

Man könnte meinen, dass die Themen Schicksale egal zu welchem Weltkrieg davor und danach hinlänglich erschöpft seien. Aber die Autorin hat es verstanden, in ihrem Roman "Die Frauen vom Alexanderplatz" verschiedenen Charakteren eben eine eigene Geschichte zu geben und zu vereinen, die durch den Krieg auf unterschiedlichste Weise einen neuen Weg finden. Sie zeichnet ein Gesellschaftsportrait der damaligen Zeit und letztendlich lässt sie ihre Charaktere aus den unterschiedlichen Schichten zusammen wirken.
Es ist ein gut zu lesender erzählter Roman, der Hoffnung und Schmerz vereint, aber auch die Liebe. Das Zusammenfinden der Personen ist gut geschrieben. Ebenso fließen Hintergrundinfos mit in den Stoff ein. Die historischen Stadtpläne vorn und hinten runden das ganze noch einmal ab.
Wer gern historische Romane der Zeit mag, wird auch diesen mögen.

Ӝ̵̨̄Ʒ  4 Lesegenuss-Bücher

Rechte: Cover / Info / Text  - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
Verlag  Heyne
Ein Dankeschön an den Verlag und Bloggerportal  für das Rezensionsexemplar

Elke Schneefuss
Die Frauen vom Alexanderplatz
TB 448 Seiten
Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Originalausgabe (13. Januar 2020)
ISBN-13: 978-3453423565

Am Anfang steht die Hoffnung
Drei Frauen in Berlin - drei Wege, die sich kreuzen

Sonntag, 2. Februar 2020

Die Spur des Medaillons ~ Tania Schlie

Gelesen 01/2020

Zwei Generationen. Zwei verbotene Liebesgeschichten. Ein Medaillon, das sie miteinander verbindet.

Als in Ninas Geschäft der attraktive Amerikaner Benjamin auftaucht und sie bittet, ein antikes Medaillon zu restaurieren, traut die junge Goldschmiedin ihren Augen kaum: Das Gegenstück gehört ihrer russischen Großmutter Natascha. In ihrem Schmuckstück befindet sich das Bild eines unbekannten Mannes, in Benjamins Medaillon entdeckt Nina nun tatsächlich ein Foto der blutjungen Natascha. Sowohl das Medaillon als auch Benjamins charmant blitzende Augen lassen Nina nicht mehr los. Sie fragt ihre Großmutter, und diese enthüllt schließlich eine unglaubliche Liebesgeschichte, die in den Wirren der Russischen Revolution ihren Anfang und im Paris der dreißiger Jahre eine dramatische Wendung nahm. Je mehr Nina über die Vergangenheit herausfindet, desto stärker wird in ihr der Wunsch, die Liebe festzuhalten, sobald sie ihr begegnet. Komme, was wolle.


Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
Der Roman "Die Spur des Medaillons" ist als Neuauflage im Verlag Mira TB erschienen. Es war nicht nur das ansprechende Cover, was mich auf das Buch aufmerksam gemacht  hat, auch der Buchrückentext ist vielversprechend.
Es beginnt in Berlin Anfang des neuen Jahrtausend. In einem der Hinterhöfe in Berlin-Mitte hat sich Nina mit einem kleinen Laden und Werkstatt selbständig gemacht. Sie ist Goldschmiedin mit Leib und Seele. Kurz vor Feierabend, eine Verabredung mit ihrem langjährigen Freund Martin steht an, taucht ien Kunde auf. Benjamin Turner, Amerikaner aus Boston, seine Eltern waren aus Deutschland ausgewandert, bittet sie darum, sich eines Anhängers anzunehmen. Säubern, überholen was auch immer. Er gibt ihr kurze Informationen zu dem Teil, was wohl aus Deutschland stammen würde.
Nina haut es fast um, als sie das Teil in den Händen hält. Sie erinnert sich, kennt es, denn genau das gleiche ist in ihrem Besitz. Ihr Vater hatte es ihr zum 18. Geburtstag geschenkt aus dem Nachlass der Mutter, so seine Worte. Als sie zuhause ist und ihren Anhänger in den Händen hält, öffnet sie es und findet darin ein Foto von einem Mann. Und zur Entzifferung der kyrillischen Inschrift würde sie ihre russische Großmutter fragen.
Am nächsten Morgen präsentiert sie dieser den Anhänger und die Geschichte vom Vortag. Großmutter Natasche kannte den Mann, Mikhail. Ihre große Liebe.
So beginnt für die beiden eine Reise in die Vergangenheit. Diese beginnt in den Wirren der russischen Revolution in Sankt Petersburg, wo Nataschas Familie lebt. Der Vater ist beruflich viel unterwegs, zur Mutter besteht ein abgekühltes Verhältnis. Bald darauf heiratet Natascha Konstantin. Doch nach der Ermordung der Zarenfamilie beginnt eine unruhige Zeit und so emigrieren sie im Februar 1919 nach Paris.
Die Erzählung um Natascha über die Jahrzehnte war sehr interessant geschrieben. Ausdrucksvoll und dennoch flüssig erzählt die Autorin die Geschichte. Auch die spätere Veränderung von Natascha sorgt für Interesse an deren Person und weiteren Verlauf.
Ich war sehr gespannt, wie sich alles entwickeln würde. Und letztendlich was für eine Gemeinsamkeit der beiden ANhänger miteinander verband. Und wie kam Bejamin in den Besitz des Gegenstücks? Ein Rätsel wollte gelöst werden.
Vergangenheit und Gegenwart sind gut miteinander verknüpft. Wie gesagt, in der Geschichte war ich schnell drin. Die Autorin hat es perfekt verstanden, eine vergangene Liebesgeschichte zum Leben zu erwecken. Und gleichzeitig durch diese Ninas Augen zu öffnen, was wahre Liebe ist.
Mein Bezug zu Nina  ist eher zwiegestalten. Ihr fehlte eine gewisse Stärke, die ihre Großmutter besitzt. Und diese ist eine sehr starke Frau, wie sich im Laufe der Handlung zeigt.
Mir hat der Schreibstil der Autorin gefallen. So ist die Geschichte um die Anhänger gut durchdacht und verspricht auch eine gewisse Spannung. Einen starken Eindruck hinterlässt die Charaktere Natascha.
"Die Spur des Medaillons" war ein wunderbarer Roman, deren Geschichte sich flüssig lesen läßt. Ich habe ihn mit großer Begeisterung gelesen, denn hier findet sich eine wundervolle und bewegende Familiensaga wider. Man kann sich darin verlieren, und fiebert mit jedem Kapitel mit, wie es weitergeht. Mich hat es von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Alle Liebhaber dieses Genres werden dieses Buch nicht aus der Hand legen können. Für diesen Lesegenuss gibt es meine absolute Leseempfehlung.

Ӝ̵̨̄Ʒ  5 Lesegenuss-Bücher

Rechte: Cover / Info  - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
Verlag  Mira TB/HarperCollins
Ein Dankeschön an den Verlag und Bloggerportal  für das Rezensionsexemplar
 

Sie schreibt auch unter den Pseudonymen Greta Hansen und Caroline Bernard.

Tania Schlie || Die Spur des Medaillons
TB: 464 Seiten
Verlag: MIRA Taschenbuch; Auflage: 1 (6. Dezember 2019)
ISBN-13: 978-3745700473  || € 12,00
Familiengeschichte - interessant und fesselnd geschrieben
Das Geheimnis der Medaillons