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In den Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit. (Thomas Carlyle)

Montag, 31. Oktober 2022

Die Gedanken sind frei - Eine unerhörte Liebe ~ Julia Kröhn

 

Papier ist geduldig,
Herzen sind es nicht.

Frankfurt, 1945: Ella Reichenbach hat zwar die Bombennächte überlebt, aber von der Verlagsbuchhandlung ihrer Eltern ist kaum etwas geblieben. Die Regale sind verheizt, die Schaufenster ohne Glas, die Bücher fort. Doch dann entdeckt sie den geheimen Papiervorrat ihrer verstorbenen Mutter, und plötzlich wendet sich das Blatt. Ella kann fortan Hunger und Not ein Ende setzen, indem sie selbst Bücher veröffentlicht. Doch die junge Verlegerin will nicht nur neue Bücher unter die Menschen bringen – sie will die Gedanken in den Köpfen der Menschen befreien ...
(Klappentext Verlag)

Julia Kröhn
Die Gedanken sind frei  - Eine unerhörte Liebe
Die Buchhändlerinnen von Frankfurt (1)
Blanvalet Taschenbuch Verlag; Originalausgabe Edition (21. September 2022)
Broschiert: ‎ 448 Seiten  || ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3734110986
€ 16,00  / Gelesen 10/2022


M̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅ ̲̲̅̅L̲̲̅̅e̲̲̅̅s̲̲̅̅e̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅d̲̲̅̅r̲̲̅̅u̲̲̅̅c̲̲̅̅k̲̲̅̅]

Der Roman beginnt in 1945 auf dem Höchster Friedhof. Dort findet gerade die Beerdigung von Klara Reichenbach statt. Ella hatte ihre zweijährige Schwester auf dem Arm und lauschte, den ihrer Meinung nach verlogenen Worten des Vaters. Wie konnte er nur solche Worte nutzen? Solange Ella sich erinnern kann, waren Bücher das Lebenselexier der Mutter, der Herrin über das "Bücherreich". Doch der Krieg hatte alles zerstört. Bei den Großeltern waren die beiden Schwestern das vergangene Jahr untergekommen. Ella mußte stark sein, vor allem für Luise. Auch wenn der Hass gegen den Vater groß war. Ihre Gedanken drehten sich, leider, noch immer um das Vergangene. Fast zwei Jahrzehnte trennten die beiden Schwestern. Auf dem Friedhof hat Ella noch eine merkwürdige Begegnung. Ein junger Mann, Ari, ein weiterer Protagonist in der Handlung.
Ella, die gern bei den Großeltern weiter gewohnt hätte, kehrt nach Haus zurück. Der Krieg hatte so vieles zerstört. Die Stadt lag in Trümmern und auch die Buchhandlung war eine Katastrophe. Doch Ella lässt sich nicht unterkriegen. Sie will das wieder zum Leben erwecken. Dabei hilft ihr ein geheimer Papiervorrat, den die Mutter bei den Großeltern untergebracht hatte. So baut sie nach und nach das Geschäft wieder auf.
Die andere Geschichte ist die von Ari, die in die Handlung um Ella mit eingebunden ist. Das Geschehen um die Juden lässt Ella nicht unberührt. Doch Bücher in diese Richtung entsprechen nicht dem Zeitgeist. Zu sehr ist in den Köpfen noch das braune Gut vorhanden.
So ist es gut zu lesen, wie sich Ari mit Ellas Leben vermischt. Doch alles hat nicht immer ein gutes Ende. Das Geschehen der damaligen Zeit hat die Autorin schon sehr beeindruckend geschrieben. Ebenso wie auch die zerstörten Städte wie hier Frankfurt. Es ist so bildlich geschrieben, dass man meint mitten drin vor Ort zus ein.
Es sind viele Charaktere, die für die Handlung verantwortlich sind. Der Weg um die jüdische Bevölkerung nach dem Kriegsende ist doch zeitweise erschütternd zu lesen.
Den Roman habe zeitweise mit Unterbrechung lesen müssen. Es gab halt Stellen, die mir dann nahe gingen.
Die Idee für den Roman als auch die Umsetzung ist m. E. der Autorin sprachlich gut gelungen. Leider aber fand ich nicht den hundertprozentigen Zugang zu den Protagonisten - bis auf eine Ausnahme. Aber vielleicht ist es auch so gewollt. Denn mit dieser Dilogie widmet sich die Autorin ihrem Herzensthema: den Büchern.
Und beginnt in einer Zeit nach dem Krieg, bis es dann 1949 auch wieder eine Frankfurter Buchmesse gab  - ein Neubeginn.
Es lohnt sich auf jeden Fall am Ende des Romans die "Historische Anmerkung" zu lesen.
Und eine Leseprobe zum zweiten Teil gibt es auch noch. Man muss den Kopf frei haben und sich auf das Buch einlassen können. Dann lohnt es sich auf jeden Fall.

Zitat:
"Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten,
aus den Stuben, über die Sterne."

Jean Paul


Herzlichen Dank an den Verlag /Bloggerportal  für das Rezensionsexemplar
Rechte: Cover / Info / Zitat   - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  Verlag


Die Liebe zu Büchern vergeht nie ...

Freitag, 28. Oktober 2022

Die Fabrikantinnen - Schwesternzeiten ~ Sarah Lindberg

 

Weg des Herzens – Wege des Leids

Es ist das Jahr 1954. Emmi Wagner hat die Zuckerfabrik ihres Mannes nach dessen Tod erfolgreich weitergeführt. Behutsam möchte sie nun ihre Töchter Greta und Lisa an die Fabrik heranführen. Während Lisa sich immer mehr interessiert zeigt, erweist sich Lisa als schwierig und unnahbar. Offenbar neidet sie Lisa auch, dass ihre Schwestern sich verliebt hat und heiraten will. Die Schwestern drohen sich immer mehr zu entzweien. Dann kommt es zu einem schweren Unglück. Emmi Wagner schwebt zwischen Leben und Tod. Die beiden ungleichen Schwestern sind nun gefordert, die Fabrik zu leiten. Doch plötzlich tritt ein Familiengeheimnis zutage, das Emmi lange verheimlicht hat.

Eine große Familiensaga – mitreißend erzählt. Zwei ungleiche Schwestern auf der Suche nach Liebe, Glück und Wahrheit!

Hochemotional und authentisch – beruht auf der wahren Familiengeschichte der Autorin.

Sarah Lindberg
Die Fabrikantinnen - Schwesternzeiten
Herausgeber: ‎ Rütten & Loening; 1. Edition (11. Oktober 2022) - Aufbau Verlag
Broschiert ‏ : ‎ 352 Seiten
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3352009778
€ 18,00  / Gelesen 10/2022

M̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅ ̲̲̅̅L̲̲̅̅e̲̲̅̅s̲̲̅̅e̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅d̲̲̅̅r̲̲̅̅u̲̲̅̅c̲̲̅̅k̲̲̅̅]

1945: Endlich war der Krieg vorbei. Wie so viele andere hatte auch die Familie Wagner einen lieben Menschen hier verloren; Emil, den Ehemann und Vater, den geliebten Sohn. Doch das Leben ging weiter. Nun leitete Emmi die Zuckerfabrik, hilfreich an der Seite ihr Schwiegervater. Die Familie lebte in der Villa, die in der Hildesheimer Börde gelegen war. Dort hatte Emmi für die Mädchen Elsa als Kinderfrau eingestellt und dieser mit den beiden Söhnen ein neues Zuhause auf dem Grundstück gegeben. Emmis Mutter Thea Engel lebte ebenfalls mit im Haus. Da ereilt die Familie ein erneuter Schicksalsschlag. Die Jahre vergehen.
Emmi Wagner führt als Frau das Geschäft der Zuckerfabrik erfolgreich weiter. Während Lisa, die Älteste, Interesse an einer Zukunft hier sieht, ist Greta entschlossen zu leben. Sie kommt ganz in die Richtung von Emmis jung verstorbener Schwester. Greta träumt von einer beruflichen Karriere in der Modebranche. Momentan lebte Lisa in Berlin, wo sie einem betriebswirtschaftlichen Studium nachging. Da überrascht sie ihre Mutter mit der Nachricht, dass sie demnächst ihr ihren Freund, Johannes Falkenstein, vorstellen werde. So innig wie die Schwestern bislang waren, das Band erleidet nunmehr einen Riß. Greta erkennt schnell, was für ein Mann Johannes ist. Bei all den Widrigkeiten Emmi liebt beide Kinder. Aber Greta hat immer das Gefühl, sie bevorzuge Lisa. Es kommt zum Eklat und einem folgenschweren Unfall.
Die Autorin schildert den nicht immer einfachen Weg der Familie. Ich mag den Schreibstil. Es gibt Einblick in die Gefühlswelt der einzelnen Protagonistinnen, dem Zweifel und der Hoffnung. Irgendwie spürt man auch den Wunsch der Frauen, alte Muster aufzubrechen.
Wie auch schon zuvor im ersten Teil beginnt jedes Kapitel mit einem Zitat.
Auch das Cover ist passend zum ersten Teil. Farblich harmonisch.
Insgesamt ist "Schwesternzeiten" leicht und flüssig zu lesen und ein guter Abschluss der Reihe "Die Fabrikantinnen". Ich wurde gut unterhalten, wobei natürlich der erste Band etwas spannender war. Aber es zeigt auch, dass man nie aufgeben soll, egal was passiert. Das macht stark und gut für den Zusammenhalt der Familie.

Zitat
Verlorene Liebe, wo ist da Ersatz für?
Johann Wolfgang von Goethe - Deutscher Dichter 1749-1832

📖 📖 📖 📖   Lesegenuss Bücher

Herzlichen Dank an den Verlag  für das Rezensionsexemplar
Rechte: Cover / Info - Zitat  - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  Verlag


Sarah Lindberg ist das Pseudonym der Bestseller-Autorin Antje Szillat, aus deren Feder zahlreiche Kinder- und Jugendromane sowie Erwachsenenbücher stammen. Ihre Bücher wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet.

In "Die Fabrikantinnen" erzählt sie – angelehnt an die dramatische Lebens- und Liebesgeschichte ihrer Großmütter Anni und Emmi – von der Fabrikantenfamilie Wagner, die in der Nähe von Hannover ansässig waren und in den schweren Zeiten des Kriegs und der Nachkriegszeit ihre Frau stehen mussten.


Ein guter Abschluss um die Wagner-Frauen

Sonntag, 23. Oktober 2022

Die Buchhändlerin von Paris - Ellen Feldman

 

Ein fesselndes Leseerlebnis über den Überlebenswillen einer jungen Mutter im besetzten Paris.

Frankreich, 1944. Charlotte Foret arbeitet in einer kleinen Buchhandlung im besetzten Paris. Auf sich allein gestellt kämpft sie nicht nur um ihr eigenes Überleben, sondern auch um das ihrer kleinen Tochter Vivi. Als diese erkrankt, nimmt Charlotte die Hilfe des deutschen Arztes Julian an. Es ist ein Akt der Verzweiflung, der sie das Leben kosten könnte. Für Julian hingegen wird Charlotte zur großen, unmöglichen Liebe. Kurz vor Kriegsende, den Tod vor Augen, gelingt es ihm, die junge Frau und sich selbst zu retten. Charlotte emigriert nach New York und glaubt, die Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Bis Vivi beginnt, Fragen zu stellen ...

Ellen Feldman
Die Buchhändlerin von Paris
Goldmann Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (19. September 2022)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Taschenbuch ‏ : ‎ 352 Seiten || ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442491797
Originaltitel ‏ : ‎ Paris Never Leaves You   ||  Thomas Stegers (Übersetzer)
€ 12,00 /Gelesen 10/2022


M̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅ ̲̲̅̅L̲̲̅̅e̲̲̅̅s̲̲̅̅e̲̲̅̅e̲̲̅̅i̲̲̅̅n̲̲̅̅d̲̲̅̅r̲̲̅̅u̲̲̅̅c̲̲̅̅k̲̲̅̅]

Die Geschichte spielt in Paris als auch in New York. Paris zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Dort lebt Charlotte. Sie ist Witwe und hat ein Baby zu versorgen, was im besetzten Paris 1944 schwierig ist mit Lebensmitteln. Charlotte hat einen Buchladen, wo sie auch ihre kleine Tochter betreut. Immer wieder kommt dort ein deutscher Offizier und kauft ein. Er wird für beide der Retter. Dank Julian wird sie mit falschen Papieren, ausgewiesen als Juden, das Land verlassen. Letztendlich landet sie in New York. Dort hatte sich ein Freund ihres Vaters, Horace Field für sie verbürgt. Vivi wächst in dem Glauben auf, sie seien Juden. Charlotte arbeitet nunmehr im Verlag von Horace. Dann erhält sie eines Tages einen Brief. Sie erkennt die Handschrift. Die Vergangenheit holt sie ein, obwohl diese sie nie wirklich ganz los gelassen hatte.
Wechselnd zwischen Gegenwart und Vergangenheit baut sich die Story auf, so dass der Leser Verständnis dafür erhält, was sich damals in Paris abgespielt hatte. Auch die Beziehung zwischen Julian und Charlotte ist gut geschrieben.
Hier ging es ums Überleben. Doch was war aus Julian geworden? Sie hatten den Kontakt zueinander verloren.
Die Autorin hat gekonnt beide Zeitebenen miteinander verwoben. Ihre Charaktere sind gut dargestellt. Man kann vieles verstehen, obwohl es einiges gab, was nicht einfach zu lesen war.
Natürlich stellt man sich als Leser am Ende die Frage, wie hätte ich gehandelt, zu der damaligen Zeit mit einem Baby? Ich denke, als Mutter würde man sehr viel dafür tun, um dies zu retten. Oder? Charlotte hätte ich gewünscht, dass sie sich etwas mehr aus ihrer eigenen Buße gelöst hätte.
Insgesamt gesehen erneut ein Roman, der zum Nachdenken anregt.
#gegendasvergessen


Herzlichen Dank an den Verlag /Bloggerportal  für das Rezensionsexemplar
Rechte: Cover / Info   - zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  Verlag

Gut geschrieben, aber dennoch etwas distanziert